Historisches

Hier erfahren Sie mehr über die Geschichte Schrobenhausens.

Der sagenhafte Stadtgründer (Ein blaublütiger Stadtgründer)

Der sagenhafte Stadtgründer (Ein blaublütiger Stadtgründer)

Wer war es denn nun, der den Grundstein für die Stadt Schrobenhausen legte? Etwa die Römer, die in den letzten Zügen ihrer langen Vorherrschaft in Europa ein sagenumwobenes „ad Lunam“ an der Paar besiedelten?

Als wahrscheinlicher gilt allerdings, dass es der Langobardenkönig Luitprand war, der irgendwann während seiner Amtszeit von 712 bis 744 dem Städtchen Schrobenhausen Leben eingehaucht hatte. Obwohl die Frage nach der Stadtgründung bis heute nicht einwandfrei geklärt ist, liegt diese Vermutung dem Anschein nach doch nahe an der Wahrheit: Felix Mottl meinte dazu 1951, dass die Langobarden strategisch günstige Punkte auf der Landkarte genutzt hätten, um Kastelle zur Abwehr fränkischer Angriffe errichten zu können. Noch dazu erleichterte diese Ortswahl das Gewerbe mit freundlich gesinnten Geschäftsleuten, lag Schrobenhausen doch schon damals an der wichtigen Handelsstraße zwischen Augsburg und Regensburg.

Der Erste, der von dieser Theorie berichtete, war der Franziskanerpater Fortunat Hueber, der Ende des siebzehnten Jahrhunderts eine 568 starke Historie zu Papier brachte. Aus seinen Unterlagen geht hervor: „Und wie es vermutlich ist, solle eben dieser Luitprandus das große Schloß zu Schrobenhausen, wo nicht gar die ganze Stadt, vom Grund gehebt haben.“ Diese Annahme wurde 1850 vom Benefiziat Fick bestätigt.

Schrobenhausen hat also höchstwahrscheinlich bereits um die 1270 Jahre auf dem Buckel.

Das Pflegschloss

Das Pflegschloss

Als sich im 12. Jahrhundert die Wittelsbacher im wieder aufgebauten Schrobenhausen niederließen, beauftragten sie den um 1147 erstmalig erwähnten Marschalk Dietbold, Stammesvater der Herren de Scrovenhusen, im südwestlichen Teil der Stadt ein wehrhaftes Amtshaus zu erbauen. Das Pflegschloss, die Veste,  war wohl eines der wenigen steinernen Gebäude, die Schrobenhausens Zerstörung 1388 zumindest in Teilen überstand. Der Wappenstein an der Stadtpfarrkirche erzählt heute noch, was Herzog Ludwig VII. in 1414 und den 35 folgenden Jahren erneuern und verstärken ließ. Es wurde ein ca. 6 m breiter Hofgraben gezogen, die Mauerdicke um die Veste wurde auf zweieinhalb Meter aufgefüttert und ein Hauptflügel für etwaige Fürstenbesuche errichtet. Neben diesem besaß die Veste Gästeräume, eine Küche, eine Rüstkammer, Stallungen,  Vorratskammern, Speicher und Brunnen, Kellergewölbe, Amtsräume, Zwinger, Gefangenenverliese und Folterkammern. Da die Herzöge in Ingolstadt residierten, wohnten ihre Verwaltungsbeamten, die Pfleger, im heutigen Pflegschloss. Vom 14. bis zum 16. Jahrhundert sah das Schloss zahlreiche Fürsten, vor allem jene Ingolstädter Herzöge, auf der Jagd in der Hagenau oder auf der Durchreise. Ein weiterer eher ungebetener Gast war Gustav II. Adolf von Schweden, der sich 1632, während des Dreißigjährigen Krieges, in Schrobenhausen einnistete. Ein Jahr später fielen schließlich „schwedische Augsburger“ in Schrobenhausen ein und plünderten das Pflegschloss, voll von Urkunden, Akten, Briefen und Bänden, in rücksichtslosester Weise. Nach dem Krieg war das Schloss viele Jahre beschädigt und unbewohnt, bis schließlich Kurfürst Max II. Emanuel im 18. Jahrhundert, nachdem die Einquartierung von Truppen das Gebäude weiter in Mitleidenschaft gezogen hatte, beschloss, das Pflegschloss zu sanieren und zur Registratur des Landgerichts zu machen. 1862 verließ das Gericht die Räume des Schlosses wieder und das Pflegschloss wurde 1912 zur Amtsvorstandswohnung. Heute beheimatet es zwar keinen Amtsvorstand mehr, dafür aber das Heimatmuseum der Stadt Schrobenhausen.

Dietbold und Ulrich (Von Vätern und Söhnen)

Dietbold und Ulrich (Von Vätern und Söhnen)

Pfalzgrafen aus dem 12. Jahrhundert sind nicht gerade Personen, an die man sich heutzutage noch erinnert. Eine Ausnahme bilden Dietbold und Ulrich, Vater und Sohn, die vor etwa 850 Jahren die herrschenden Häupter der Schrobenhausener Region waren.

Allerdings ist man sich bis heute nicht ganz sicher, wie sie denn nun wirklich hießen. Dietbold, der erstmals 1147/1150 urkundlich erwähnt wird, taucht einmal als „Dietbold von Wittelsbach“, zweimal als „Dietbold von Algertshausen“ oder auch „Dietbold von Aresing“, viermal als „Dietbold von Bernbach“ und stolze zwölf Mal als „Dietbold von Schrobenhausen“ auf. Während seiner Amtszeit begann er mit dem Bau des Pflegschlosses Am Hofgraben im Stadtzentrum.

Sein Sohn Ulrich, gemeinsam mit Dietbold Anno 1147/1150 genannt, trat die Nachfolge des Vaters an und erarbeitete sich noch dazu ab 1198 die Dienstbezeichnung „Marschalk“, einen Amtsnamen, der oft mit dem Rang eines städtischen Beamten in Verbindung gebracht wird. Im Gegensatz zum vieltitulierten Vater ist Ulrichs Name recht eindeutig geklärt: Fünfundzwanzig Mal ist in den Urkunden von einem „Ulrich von Schrobenhausen“ die Rede.

Das Vermächtnis der Adelsfamilie findet sich heute noch im Namen Diepoltshofen, einem Ortsteil der Gemeinde Waidhofen.

Das erste Marktsiegel (Das Rätsel um den gekrönten Bären)

Das erste Marktsiegel (Das Rätsel um den gekrönten Bären)

Seit jeher werden wilde Gerüchte und orakelte Munkeleien über die Herkunft des Schrobenhausener Bären auf dem Wappen gestreut.

Tatsächlich taucht ebenjener Meister Petz bereits im ersten Marktsiegel von 1328 auf: Umrandet von der lateinischen Inschrift „+ S CIVIVM IN SCHROBENHOVSIN“, also „Siegel der Bürger in Schrobenhausen“, starrt er mit grimmigem Blick und Krone auf dem Kopf nach rechts. In der unteren Hälfte des dreiundvierzig Millimeter großen Siegels stechen die schrägen Rauten hervor, die man in den Wappen von Freising und Rain am Lech wiedererkennt.

Aber was soll der Bär nun eigentlich bedeuten? Stärke und Macht, wie es bereits im ältesten deutschen Tier-Epos erzählt wird? Oder ging es doch nur um einen anerkennenden Wink seitens Kaiser Ludwigs IV., der Schrobenhausen für seine Standhaftigkeit und Treue in kriegerischen Zeiten belohnen wollte?

Mit größter Wahrscheinlichkeit hat der gekrönte Bär jedoch seinen Ursprung in der engen Verbundenheit zur Kirche in Freising: Bischof Atto zum Beispiel konnte bereits im neunten Jahrhundert weiträumige Grundherrenrechte in Schrobenhausen aufweisen. Die Krone symbolisiert dem Anschein nach jene des Landesherren oder -fürsten. Dagegen stammen die Rauten aus dem Wappen der Grafen von Bogen, deren Vorherrschaft 1242 beendet wurde, da Albert IV. daran scheiterte, einen leiblichen Nachfolger zu zeugen, sodass der Stiefbruder Otto II., Herzog von Bayern, dessen Platz einnahm. Die Rauten übernahm er jedoch in das bayrische Wappen. Folglich symbolisieren sie die Zugehörigkeit Schrobenhausens zum Herrschaftsbereich der Wittelsbacher.
Das erste Marktsiegel verdeutlicht zugleich die veränderte Wahrnehmung der eigenen Bürger: Ende des Mittelalters sahen sich die Schrobenhausener zunehmend als echte Städter.

In Schutt und Asche (Düstere Zeiten)

In Schutt und Asche (Düstere Zeiten)

Es ist allseits bekannt, dass man im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit entstandene Konflikte einfacherweise mit gezückten Waffen austrug. Und so war es 1388 wieder einmal an der Zeit, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen.

Den freiheitsliebenden Schwaben waren die Machtansprüche der Wittelsbacher schon länger ein Dorn im Auge gewesen. Am 4. Juli 1376 hatte man sich zum Schwäbischen Städtebund zusammengeschlossen, um den widerspenstigen bayerischen Herzögen die Grenzen aufzuzeigen. Doch insbesondere Herzog Stephan III., vorzugsweise der Kneißl genannt, testete gerne den schwäbischen Toleranzbereich aus und rupfte mit Vorliebe Augsburger Kaufleute.

Schlussendlich hatte er es sich aber doch mit den wutschnaubenden Schwaben verscherzt: 1388 schloss sich der Städtebund bereitwillig der Reichskriegserklärung König Wenzels an Bayern an.

Was folgte, war „ein erster verheerender Durchzug des Bundesheeres von Augsburg bis Regensburg und nördlich der Donau zurück in Richtung Weißenburg“. Es musste zugegangen sein wie in Kreuzzugszeiten. Der Chronist schrieb erschüttert: „Unsägliches hatte gerade das Gebiet des Augsburger Bistums zu leiden, Städte und offenes Land, der bayrische und der schwäbische Teil in gleicher Weise.“

Schrobenhausens Antlitz wurde fast bis auf die Grundmauern getilgt: Von Befestigungen waren lediglich klägliche Reste übriggeblieben, das stolze Rathaus hatte sein Dach eingebüßt und die romanische Pfarrkirche war in trostlose Trümmerteile zerlegt worden. Herzog Stephan III. schrieb nun entsetzt von den „großen, verderblichen Schäden“, die den Menschen in Schrobenhausen und Umgebung widerfahren waren. Wieder einmal hatte ein Krieg die regionale Zivilisation um Jahrzehnte zurückgeworfen.
Den ganzen Frühling 1388 über regierten Schwert und Feuer die Stadt. Doch nur ein Jahr später sollte ein noch erbarmungsloserer Feind über die geschundenen Bürger hereinbrechen: Der Schwarze Tod bereitete ab 1389 nahezu jedem zweiten Einwohner ein jähes Ende.

Das Waaghaus

Das Waaghaus

Zwischen dem Rathaus und der Stadtpfarrkirche liegt ein weiteres geschichtsträchtiges Haus Schrobenhausens. Bereits im 13. und 14. Jahrhundert, also zur Zeit des Marktortes, stand in diesem Gebäude die große Stadtwaage, die auch Herren- oder Fronwaage genannt wurde. Die Waren der Kaufleute und Händler wurden hier von den städtischen Waagmeistern nachgewogen. Einerseits konnten die städtischen, klösterlichen und landesherrlichen Abgaben, Steuern und Zinsen berechnet werden. Andererseits sollten die Käufer, also die BürgerInnen, geschützt werden, indem sichergestellt wurde, dass die Ware auch tatsächlich den ihnen angepriesenen Werten entsprach. So musste zum Beispiel im 16. Jahrhundert einer der Schrobenhausener Bäcker in das städtische Gefängnis und 2000 Ziegelsteine für städtische Bauvorhaben bezahlen, weil er seine Kunden betrogen hatte und seine Brotlaibe als schwerer verkauft hatte, als sie eigentlich waren. Im 16. Jahrhundert wurde auch die Bezeichnung Goldschmiedhaus für das Gebäude genutzt, da im Keller des Hauses eine Goldschmiede war, die auch das ein oder andere für die hiesigen Kirchen fertigte. Dringend notwendige Reparaturen wurden im zweiten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts vorgenommen. In der Mitte dieses Jahrhunderts stellte das Waaghaus auch den Wohnsitz für den Waagmeister, den Stadtschreiber und dem Oberratsdiener dar. Etwa 50 Jahre später wohnte statt Letzterem der Organist im Haus. Mit der Einführung der Gewerbefreiheit endeten um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Aufgaben der großen Stadtwaage. Als Hauptsitz des Winterhilfswerks und der NS-Frauenschaft diente das Waaghaus kurz nach der nationalsozialistischen Machtübernahme. Es beherbergte außerdem eine Zeit lang ab 1936 das Bezirks- und Stadtarchiv und eine Lenbach-Ausstellung. Als außergewöhnliches Ereignis in der Geschichte des Gebäudes sollte außerdem der Beinah-Brand im Dezember 1939 genannt werden. Teilnehmerinnen eines Zuschneidekurses hatten abends das Haus mitsamt am Nachmittag eingeheizten Kachelofen bedenkenlos verlassen. Wegen starkem Funkenflug aus dem Kamin sowie das aus dem Eingangsbereich dringende Geräusch des prasselnden Feuers wurde die Feuerwehr informiert. Diese konnte das Feuer ersticken, in einer Meldung hieß es, dass kein Archivgut zerstört wurde. Drei Jahre später wurde das Gebäude umgebaut und bald darauf als Heimatmuseum wiedereröffnet. Im Jahr 1967 wurde das Waaghaus zusammen mit dem alten Rathaus abgerissen, 18 Jahre später erfolgte der Spatenstich zum Wiederaufbau. Fast originalgetreu konnte es nach Plänen aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nachgebaut werden. Mit einer erneuten Ausstellung über den Ehrenbürger Lenbach wurde das Gebäude eröffnet. Heutzutage beherbergt es Teile der Stadtverwaltung.

Beisammen auf Leben und Tod (Leben und Sterben in Zeiten des Dreißigjährigen Krieges)

Beisammen auf Leben und Tod (Leben und Sterben in Zeiten des Dreißigjährigen Krieges)

1645 sah halb Mitteleuropa bereits auf siebenundzwanzig Jahre Krieg zurück. Jedes noch so kleine Völkchen hatte sich im Lauf der Zeit eingemischt, um etwaige Gebietsgewinne und sonstige Triumphe zu erzielen: Deutsche und Franzosen, Spanier und Niederländer, Dänen und Schweden hatten sich wieder und wieder in sinnlose Gefechte gestürzt.

Der üble Atem des Krieges war auch an Schrobenhausen nicht unbemerkt vorbeigezogen. Im Mai 1645 erschienen jedoch erste Silberstreifen am Horizont. Die Franzosen und Weimarer waren geschlagen, einem schnellen Friede stand nun nichts mehr im Weg. Pfarrer Johann von Muggenthal führte von der Pfarrkirche aus eine rührende Dankprozession an, hoffnungsfrohe Schrobenhausener stimmten zuversichtlich in Lieder und Gebete mit ein.

Die kurze Friedensperiode war jedoch trügerisch und nicht von Dauer: Bereits eineinhalb Jahre später fielen Schweden und Franzosen erneut in Schrobenhausen ein, raubten und plünderten, was nicht niet- und nagelfest war. Bürgermeister Christoph Oefele, der sich im Frühjahr 1645 noch so optimistisch der Dankprozession angeschlossen hatte, blieb nichts anderes übrig, als dem drohenden Feind sechstausend Gulden baren Geldes und vierhundert Pferde zu übergeben, wollte er seine Stadt vor weiteren Attacken und Übergriffen bewahren.

Doch die Schrobenhausener waren zäher, als gedacht. Im Angesicht des allgegenwärtigen Todes und der zunehmenden Hoffnungslosigkeit leistete man einen charaktervollen Schwur, der in die Geschichtsbücher einging: „Alldieweilen leider der Feind abermals auf Baiern, unser geliebtes Vaterland, zugehalten, selbiges mit seiner Gewalt zu überziehen, hat daher ein ehrsamer Rat beschlossen, zur Erhaltung der Stadt mit Weib und Kind völlig beisammen zu bleiben, beisammen zu leben und zu sterben, sich dem lieben Gott zu empfehlen und zu dem Ende bei der Bürgerschaft und den Korporalschaften gute Anordnung zu tun…“

Es ist Bürgermeister Oefeles Verhandlungsgeschick zu verdanken, dass es damals nicht zur endgültigen Verwüstung der Stadt gekommen ist. Der Krieg dauerte bekanntermaßen dreißig Jahre, erst 1648 zog man einen bindenden Schlussstrich. Obwohl das Land in Scherben und Trümmern lag, hatten die Schrobenhausener außerordentliche Courage bewiesen.

Das Seilerhaus beim Untertor

Das Seilerhaus beim Untertor

Dieses Handwerker- und Bürgerhaus trägt eigentlich die Adresse Lenbachstraße 5. Die besondere Bezeichnung Seilerhaus verdankt es der Tatsache, dass von der Wende des 16. zum 17. Jahrhundert bis 1679 das Seilergeschlecht der Waldvogel in diesem Haus wohnte. Der Zusatz beim Untertor wurde benötigt, da es ab dem Mittelalter bis in die Neuzeit außerdem den Seiler bei der deutschen Schule und den Seiler am Hofgraben gab. Nach vierhundert Jahren Seilerhandwerk wurde des Haus zum Wohnsitz der Neugschwendner  – und das seit nun bereits dreihundert Jahren. Viel Tradition verbirgt sich also hinter den Mauern des malerischen Häuschens mit seinen beiden vorspringenden Fassadenerkern mit geduckten, nadelspitz zulaufenden Zwiebelhauben. Dies ist auch an der bronzenen Gedenktafel zu erkennen, die der Stadtrat 1929 zur Erinnerung an den Retter Schrobenhausens im Spanischen Erbfolgekrieg, Martin Neugschwendner, am Hauseck anbringen ließ.

Vom Bezirksamt zum Landratsamt (Bezirks-und Landesamt–Von A(llioli) bis W(eigert))

Vom Bezirksamt zum Landratsamt (Bezirks-und Landesamt–Von A(llioli) bis W(eigert))

Schrobenhausen ist im 19. Jahrhundert immer wieder herumgereicht worden: Bayern, das sich ab 1806 Königreich nennen durfte, wurde 1808 in fünfzehn Bezirke untergliedert. Kurzerhand landete Schrobenhausen im Lechkreis mit der Kreisstadt Augsburg. Nur zwei Jahre später formte man aus den fünfzehn kleinen Sektoren neun größere und Schrobenhausen fiel an den Isarkreis samt Kreisstadt München. 1817 wurden aus den neun Bezirken acht, anschließend fand sich Schrobenhausen im Oberdonaukreis wieder, Kreisstadt Augsburg.

Schuld an dieser ständigen Rotation war der Mann, den nicht nur Bayern allein satt hatte: Napoleon Bonaparte höchstpersönlich. Nach zwei Jahrzehnten übelster Machtkämpfe und Völkerschlachten waren auf dem Wiener Kongress 1815 sämtliche Landkarten neu gezeichnet worden. Diese Veränderungen boten jedoch gleichzeitig ungeahnte Möglichkeiten.

1838 wurde aus dem Isarkreis das heutige Oberbayern. Ein Jahr später erhielt Schrobenhausen das Patronat für die Gebiete des ehemaligen Amtes Hohenwart, 1862 entstanden die ersten Bezirksämter. Erste Leiter dort wurde ein Bezirksamtmann mit dem wohlig klingenden Namen Alois Allioli. Dessen Nachfolger, der ehrenwerte Franz Freiherr von Tautphöus, wurde gar mit einigen charmanten Versen begrüßt: „Sei herzlich uns willkommen nach alter, edler Weise, Und mög´ es Dir gefallen in unserm frohen Kreise!“

Elf Jahre lang sorgte der Aristokrat für sein Schrobenhausen und ließ dabei weder Landwirtschafts- noch Schützenfeste aus. Als er sein Amt 1876 aufgab, bemerkte er wehmütig: „Die Tage des Abschieds von Schrobenhausen werden uns unvergeßlich bleiben.“

Dem dritten Bezirksamtmann, Hermann Reuß, war leider kein ehrenvoller Abgang vergönnt: Am 3. Januar 1899, als er, erst achtundvierzigjährig, frühmorgens am Bahnhof stand, traf ihn ein unvorhergesehener Herzschlag.

Nach den blutigen Grabengefechten des Ersten Weltkrieges wurde die Staatsaufsicht eingeschränkt – den Bezirken wurden Zugeständnisse im Punkt Selbstverwaltung eingeräumt. 1927 musste Schrobenhausen jedoch einen herben Gebietsverlust hinnehmen, als die Gemeinde Volkersdorf an Pfaffenhofen fiel. Elf Jahre später wurden die Bezirke in Landkreise umbenannt.

Als schließlich auch der Zweite Weltkrieg in den letzten Zügen lag, marschierten am 28. April 1945 vormittags amerikanische Truppen in Schrobenhausen ein und mieteten sich ein im Landratsamt am Hofgraben. In den ersten Friedensjahren übernahmen Fritz Stocker und Philipp Kitzinger mehr oder weniger freiwillig das Amt des kommissarischen Landrates. Der Zustrom an Heimatvertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten ließ die Kreisbevölkerung bis Oktober 1946 auf 33 847 Menschen anwachsen. Im selben Jahr wurde Dr. Franz Gunderlach zum neuen Landrat gewählt.
Als dieser 1961 aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat, übernahm Regierungsrat Dr. Walter Asam das Amt, sechs Jahre später wurde er mit stolzen 97, 81 Prozent Zustimmung wiedergewählt.

1972 verlor Schrobenhausen durch die Verwaltungs- und Gebietsreform schließlich seine Stellung als alleiniger Landkreisführer und wurde zusammengelegt mit Neuburg an der Donau.

Der neue Landrat, Richard Keßler, hatte das Amt beeindruckende zweiundzwanzig Jahre inne, ehe 2008 Roland Weigert von den Freien Wählern seine Nachfolge antrat.

Hungersnot (Miserables Brot und gesalzene Preise)

Hungersnot (Miserables Brot und gesalzene Preise)

 

Eine schiere Ewigkeit lang waren Napoleons Franzosen über Europa hinweggefegt. Die ersten Jahre danach gestalteten sich für die Schrobenhausener jedoch nicht einfacher: 1816 und 1817 litt die Stadt unter einer nie dagewesenen Hungersnot. Während der letzten zwei Dekaden hatten Bayern, Österreicher und Russen die Gegend kahlgefressen, fruchtbaren Boden zerstört und jede übrige Münze aus der Stadt gepresst. Pferde und Kühe hatten unter den Überfällen ebenso gelitten wie die Menschen. Das Paargau glich einer vereinsamten, trostlosen Landschaft. Der Bericht des Chronisten aus dem Jahr 1816 liest sich wie eine demütige Einsicht. Zur Blütezeit hatte es „düstere, übelriechende Nebel“ gegeben, jedes vielversprechende „Körnlein“ war „taub“ geworden. Am 24. Juli war „ein fürchterliches Donnerwetter“ über Schrobenhausen hinweggezogen, am 10. August gingen bei Steingriff und Königslachen vehemente Hagelschauernieder. Der Winter 1816/1817 war ungemütlich, „sehr schlecht, immer naß, selten gefroren“. Im darauffolgenden Sommer raubten Regen und Eiskörner der Sonne jegliche Schlagkraft. Drei Mal überfluteten Hochwasser die beiden Gräben um die Stadtmauer und überfluteten Gärten. Die Ernte an Weizen, Gerste und Hafer fiel mehr als dürftig aus, folglich schnellten die Getreidepreise in astronomische Höhen: Ein Pfund Schaffleisch kostete elf Kreuzer, umgerechnet unglaubliche 1320 Euro, Ochsenfleisch mit vierzehn Kreuzern sogar 1680 Euro. Stadtpfarrer Gebendorfer stach sehr löblich aus dieser Misere hervor, da er Brot an die Ärmsten der Armen verteilen ließ. Nun galt es, schnellstmöglich den Weg des Gesund-sparens einzuschlagen: Die kupferne Turmkuppel der Frauenkirchewurde überdies durch ein billigeres Exemplar aus Holz ersetzt. In vielen Haushalten wurde das Geld knapp. Notgedrungen verzichtete man auf gutes Brot und aß stattdessen welches vom Pferdehaber, das man Haberröndele nannte. Nicht einmal das Bier konnte die Schrobenhausener über die mittellose Zeit hinwegtrösten. Es kostete acht Kreuzer und schmeckte zudem äußerst schäbig. Die Reichen konnten ihr Leben in Saus und Braus freilich fortsetzen: Sie badeten in Wein, Punsch und Kaffee, während unzähligen Notleidenden der Magen knurrte. Schrobenhausen war zwar dafür bekannt, trotz der Misere noch immer viel Brot zu backen, doch das meiste wurde aufs Land geliefert, nach Sandizell, Pöttmes und ins Moos. Benefiziat Fick notierte nüchtern: „Selbst in der hiesigen Stadt hat manche Handwerkerfamilie in vier bis sechs Wochen keinen Bissen Brot mehr genossen,sondern lediglich mit Erdäpfeln, Kleie und Hafergrütze ihr bedauernswürdiges Leben fortgeschleppt.“ Hauptlehrer Ludwig Gröschl gab dem Elend in einigen Versen Ausdruck:

„Achtzehnhundertsiebzehn zählte man,als Wucher und List ersann die höchste Teuerung zu erzwingen, das Korn auf achtzig Gulden zu bringen. Der Weizen galt sechs unter hundert, die Gerste fünfzig. Wen das wundert, der wisse, dass der Haber galt selbst dreißig Gulden für jung und alt.“ Die Hungersnot fand in den 1820ern ihr allmähliches Ende: Aus Russland eingeführtes Getreide drückte die Wucherpreise deutlich nach unten, auch die Ernten waren wieder ertragreicher. Der Himmelsvater hatte den Hauptlehrer Gröschl wohl erhört. In seinen Abschlussversen hatte es geheißen:„Drum schreib ́ ich dies und bitte Gott:Herr, send ́ uns nicht mehr solche Not!“

 

Das grüne Oval – Der Stadtwall von Schrobenhausen

Das grüne Oval – Der Stadtwall von Schrobenhausen

Wer über den Stadtwall am Lenbachhaus vorbeigeht, denkt vermutlich als Erstes an den großen Franz von Lenbach, Schrobenhausens hoch geschätzten „Malerfürsten“. Doch wenn man im Jahre 1847 dieses anmutig wirkende Gebäude kreuzte, drangen stattdessen melodische Geigentöne an das Ohr des Spaziergängers, tiefe, schwermütige Laute, die im Rascheln der Blätter verklangen. Es war die Violine des jungen Karl August Lenbach, die zu dieser Zeit die Luft mit melancholischen Melodien  erfüllte.

Der ältere Bruder von Franz von Lenbach wollte sich einem anderen Bereich der Kunst widmen, der Musik. Doch seine labile Gesundheit machte all seine Hoffnungen zunichte, immer wiederkehrende Krankheiten zehrten an seinem jungen Körper, sodass schon bald sämtliche Ärzte kapitulierten und ihn seinem Schicksal überließen. Tatsächlich starb Karl August Lenbach 1847 im Alter von zwanzig Jahren, etliche Geschwister waren ihm bereits vorausgegangen. Von insgesamt siebzehn Kindern aus zwei Ehen des Vaters hatten bereits bis 1844 sechs davon den Tod gefunden. Das einzige Kind aus der dritten Ehe starb 1845 bereits achtzehn Tage nach der Geburt. So hat jede Wanderung über den Stadtwall doch auch etwas Trauriges, wenn man dabei an den bedauernswerten Karl August Lenbach und seine vielen jung verstorbenen Geschwister denkt. Nur das Rauschen der Blätterkronen in den Bäumen und die Einbildung einer fernen Melodie sind davon geblieben.

 

Lorbeeren für den Stadtwall

„Das grüne Oval“ Schrobenhausens war schon immer Zufluchtsort und Heimat für Tagträumer, Romantiker, Illusionisten, Schwärmer und Freigeister. Georg August Reischl schrieb 1958 in feinstem Lokalpatriotismus: „Viele andere Orte beneiden uns darum, jeder Fremde ist entzückt. Auch die Einheimischen aller Altersstufen genießen ihn: Aus ihren Kinderwagen schauen schon die Säuglinge in sein grünes Blätterdach, die Schulkinder lärmen auf ihm, Verliebten ist er Zuflucht bei Mondenschein und Sternengefunkel, gesetzte Bürger promenieren darauf nach dem sonntäglichen Gottesdienst und die ganz Alten gar, sie sind die Stammgäste der vielen lustig bunt gestrichenen Bänke.“

Reischl hatte wahrlich Recht: Der grüne Kreislauf im Herzen Schrobenhausens bietet sowohl Menschen als auch Tieren einen Ort der Erholung und Entspannung.

 

Von der Stachelschale zur Vergnügungsrunde

Der Stadtwall diente freilich nicht immer der bloßen Bespaßung: Im späten Mittelalter war er vor allem Verteidigungsbefestigung. Als nach dem Dreißigjährigen Krieg militärische Interventionen jedoch abnahmen, erhielt der Stadtwall ein deutlich freundlicheres Gesicht: Man ließ ihn mit Lindenbäumen aus dem Hagenauer Forst bepflanzen; jeder Bürger, der diese Aufgabe übernahm, wurde mit eineinhalb Gulden entlohnt.

Spätestens im neunzehnten Jahrhundert verlor der Schrobenhausener Stadtwall gänzlich seine wehrtechnische Bedeutung. Stattdessen wurde er ästhetisch in Form gebracht und floral kultiviert. Arbeiter, die 1824/1825 etliche Wochen bei der Vervollkommnung des Walls mitgeholfen hatten, erhielten am Tag der Fertigstellung eine dankenswerte Brotzeit mit einem Glas Bier. Oberleutnant Hegele, der sich um die Maßnahmen gekümmert hatte, erhielt von der Stadt ein Honorar von 54 Gulden. In einem erkenntlichen Schreiben aus dieser Zeit heißt es: „Für die Ausführung dieses Unternehmens gebührt dem Herrn Oberleutnant Hegele, als Antragssteller und Leiter des Geschäftes, der wohlverdienteste Dank der hiesigen Bürgerschaft“.

Ebenjener Hegele war allerdings nicht der einzige Initiator der Verschönerungsmaßnahmen; diese Anerkennung gebührt gleichermaßen dem Volksschullehrer Michael Sommer. Eine Ästhetisierung des Walls war auch bitter nötig: 1906 schrieb beispielsweise Ludwig Gröschl: „Der Wall um unsere Stadt war fast baumlos, ungleich und nieder. Auf Sommers Betreiben stellte Bierbrauer Schredinger einen ganzen Sommer, 1825, ein Pferd zur Beifuhr von Erde zur Verfügung, während Kaufmann Khan, Nadler Pöllath und einige andere Bürger das Unternehmen mit Geldbeiträgen unterstützten.“

Die fortwährende Arbeit brachte den gewünschten Erfolg: Nun schrieb Gröschl von der „Strecke vom Postgarten bis zum oberen Tor“, die „mit wilden Rosen besetzt“ war und „vom Herzog-Max-Garten“, der jetzt eine „freundliche Blumenanlage“ aufwies. Georg August Reischl würdigte die beiden Rädeslführer 1958 in einem Zeitungsartikel folgendermaßen: „In Hauptlehrer Sommer und Aufschläger Hegele entstanden dem vernachlässigten Stadtwall tatkräftige Freunde. Sie warben für eine schöne Bepflanzung, gewannen die finanzielle Hilfe angesehener Bürger und legten selbst unentwegt Hand an“.

Seitdem ist der Stadtwall als grüne Lunge des Ortes bekannt und so gefällt er uns zugegebenermaßen auch deutlich besser als in Form eines kalten, grauen Abwehrwalls.

 

Den Stadtwall in vollen Zügen genießen

Der Stadtwall ist in vielerlei Hinsicht einen Rundgang wert: Kulturell betrachtet bietet er einen einmaligen Einblick in die Historie Schrobenhausens und er verschafft uns ein Bild des jahrhundertelangen Zusammenlebens von Mensch und Mauer.

Dagegen bilden das halbgeschlossene Blätterdach und die Mächtigkeit der Bäume die psychologische Komponente: Das Zusammenspiel zwischen Ursprünglichkeit und behutsamen menschlichen Eingriffen lässt sich gut an dem dahingleitenden Weg illustrieren, der sacht an nebenher fließenden Straßen mäandriert. Der größtenteils naturbelassene Stadtwall galt vor allem im 19. Jahrhundert als „grüne Lunge“ der Stadt, machten doch Industrialisierung und Technisierung der Umwelt allmählich den Platz streitig.

Auch für Ästhetiker hat der Stadtwall eine große Bedeutung: Die oval angelegte Form bietet einen angenehmen Kontrast zu vielen neumodernen Städten, in denen Siedlungsmeere dem Beobachter jeglichen Orientierungssinn rauben. Schrobenhausen bietet also eine beschauliche Wechselwirkung zwischen Geschichte und Gegenwart, ein Verhältnis, das sich gegenseitig bereichert und sich doch nichts wegnimmt.

 

Wolkenbruch

Auch der Stadtgraben wollte gut genutzt sein: Im Süden der Wallanlage begannen einige Schrobenhausener im 19. Jahrhundert mit der Anpflanzung von Maulbeerbäumen, andere versuchten ihr Glück mit der Zucht von Seidenraupen. Landgerichtsarzt Dr. Hug und Volksschullehrer Michael Sommer dagegen bildeten in extra dafür angelegten Teichen im äußeren Stadtgraben Blutegel heran. Eine „wilde Flut“, verursacht durch einen Wolkenbruch, machte ihrem Vorhaben jedoch schon bald ein jähes Ende.

Wenig später wurden die Stadtgräben trockengelegt: Die Schrobenhausener hatten den üblen Gestank von Brackwasser einfach nicht mehr ausgehalten. Nach der Wende zum zwanzigsten Jahrhundert waren die meisten Bäche und Brücken verschwunden.

Mitten im Ersten Weltkrieg, am 16. August 1916, ging ein erbarmungsloser Sturm auf Schrobenhausen nieder und zerstörte jahrzehntelange Arbeit. In den Annalen finden sich dazu verzweifelte, desillusionierte Worte, verfasst kurz nach der Katastrophe: „Fast ist die Feder nicht im Stande, ein Bild von der Verwüstung zu geben. Uralte Bäume, mit 1 ½ Meter Durchmesser, welche seit fast hundert Jahren jedem Unwetter trotzten, liegen nun dutzendweise mitsamt dem Wurzelstock in den Gräben oder Gärten und versperren die Passage…“

Doch die Schrobenhausener waren zäh. Sofort wurde mit der Restaurierung, der Regenerierung und der Lückenaufforstung begonnen.

 

Wallfahrt

Eine Runde um den Stadtwall: das fröhliche Gezwitscher beheimateter Vögel, eine Allee aus Kastanien, Eichen, Linden und Ahornbäumen, ihr dichtes Blätterdach bietet Schutz vor der heißen Sommersonne. Und wenn es regnet, so treffen die Tropfen auf die oberen Äste oder perlen an Zweigen hinunter, wir Spaziergänger bleiben trocken und unversehrt, abgelenkt von den zierlichen Nistkästen oder einem Eichhörnchen, das an alternden Stämmen hinaufklettert.

Die Kinder haben ihren Spaß: Im Sommer toben sie auf den Spielplätzen herum, im Herbst wird Kastanie um Kastanie gesammelt, um daraus kleine Tierchen zu bauen, und im Winter legen die besonders wagemutigen eine abenteuerliche Schlittenabfahrt hin.

Ob wir nun den Weg zu Fuß nehmen oder mit dem Fahrrad fahren, der Stadtwall ist geduldig. Jeder Schritt ist ein Stück Ruhe, eine Prise Gelassenheit, ein tiefer Atemzug. Wenn die Zeitschrift „Flora“ 1925 richtig gerechnet hat, können wir auf dem gesamten Spaziergang ganze zweitausend davon tun.

Nächtliche Kundgebung (Der Schatten des Hakenkreuzes über Schrobenhausen)

Nächtliche Kundgebung (Der Schatten des Hakenkreuzes über Schrobenhausen)

Ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte bildet die nationalsozialistische Vorherrschaft in Schrobenhausen während der Zeit des Dritten Reiches. Am 12. März 1938 erlangte Hitlers Größenwahn ein neues Level: Die deutsche Wehrmacht marschierte in Österreich ein und wurde dort frenetisch begrüßt. Der Traum vom Großdeutschen Reich schien ein weites Stück näher gerückt zu sein.  Zu dieser Zeit war der Schrobenhausener Anzeiger die alleinige Tageszeitung und das lokale Mitteilungsblatt der NSDAP. Im Frühjahr 1938 war hier zu lesen: „Die Tage dieses Wochenendes werden in der Geschichte des deutschen Volkes in ewigen Lettern verzeichnet sein. Ihre Bedeutung für Schicksal und Zukunft des Gesamtdeutschtums wurde von der Bevölkerung der Stadt und des Kreises Schrobenhausen erfaßt, denn überall marschierten am Samstagabend die Partei- und Volksgenossen zu nächtlicher Stunde.“ Ferner wurde berichtet von stolzen Fackelzügen in der gesamten Umgebung, in „Schrobenhausen, Hohenwart,
Gerolsbach, Waidhofen, Brunnen, Berg im Gau, Gachenbach, Peutenhausen, Klenau, Langenmoosen, Freinhausen und Sandizell“.  Der nationalsozialistische Kreisleiter, Dr. Geßner, führte die parteilichen Verbände erhobenen Hauptes durch die Adolf-Hitler-Straße, passierte die Hindenburgstraße und schritt selbstherrlich Richtung Adolf-Hitler-Platz. Über Radiogeräte verfolgte man die Rede des Führers, der zeitgleich in Linz sprach. Die Straßen hallten von den hochmütigen Marschliedern wieder und nahmen auch das Wort auf, das Kreisleiter Dr. Geßner an die Versammelten richtete: „Wir dürfen wieder einmal erhebende Tage erleben, Tage von weltgeschichtlicher Bedeutung, Tage von der Erhebung eines Volkes, Tage, die in unseren Herzen mitklingen.“  Der nationalsozialistische Machtzenit stand kurz bevor, es dominierte das allgemeine Gefühl der Unbesiegbarkeit. Doch die Geschichte sollte zeigen, dass kein Reich von ewiger Dauer war.  
 

Beginn des Zweiten Weltkrieges (Der Anfang vom Untergang)

Beginn des Zweiten Weltkrieges (Der Anfang vom Untergang)

Am Monatsersten des Septembers 1939 stürzte Adolf Hitler die Deutschen in den nächsten Weltenbrand: Die Wehrmacht fiel unmittelbar in Polen ein, der erste große Krieg seit 1918 nahm seinen Anfang. Sofort wurde mit zivilen Luftschutzübungen begonnen, um die Bevölkerung auf eventuelle Fliegerangriffe vorzubereiten.  Drei Tage nach dem hinterhältigen Angriff auf Polen wurden in der Mädchenvolksschule, der Städtischen Oberschule, dem Lyzeum der Englischen Fräulein und im Kreiskrankenhaus 160 Reservelazarettbetten eingerichtet. Man testete die Sirenenanlagen der Firmen Leinfelder, Prücklmair, Poellath und Hanfröste und stellte fest, dass sie völlig ungeeignet waren, um „die ganze Stadt von einem Fliegerangriff in Kenntnis zu setzen“.  Auch im militärischen Aspekt tat sich einiges: Am 13. September stellte die Stadt ein Ersatzbataillon von tausend Soldaten zusammen, es wurde bei strömendem Regen vor dem Rathaus auf „den Führer und obersten Kriegsherrn“ vereidigt. Fünfzig Pferde wurden ausgehoben, jedes Einzelne war der Kommission 1200 Reichsmark wert, was nach heutigem Stand fast 360 Euro entspräche.  Zwei Tage darauf rückte das Infanterie-Ersatzbataillon No. 320 in die Brückenkopfkaserne nach Ingolstadt aus. Von nun an starben auch Schrobenhausener für das Reich.  Der erste Gefallene war der Unteroffizier Josef Ziegler, der am 15. September als Angehöriger des Fliegerausbildungsregimes mit dem Flugzeug abstürzte. Etliche weitere sinnlose Tode würden folgen.  Die Landwirtschaftsschule muss gar vollständig geschlossen werden, da alle Lehrkräfte zur Wehrmacht einberufen worden waren. In das leerstehende Gebäude zogen die Städtische Oberschule und die Städtische Singschule.  Am 18. November erreichte der erste Verwundetentransporter mit sechzig Patienten Schrobenhausen. Der Anblick verletzter oder desillusionierter Soldaten missfiel einigen Optimisten gewaltig. Zum Beispiel schrieb der Stadtchronist: „Die Weihnachtsfeiertage verliefen bei schönstem Winterwetter sehr ruhig. Wenn nicht die vielen Uniformen der Urlauber in der Heimat zu sehen gewesen wären, hätte die Heimat kaum bemerkt, daß wir mitten im Krieg um die endgültige Freiheit des Deutschen von der englischen Plutokratie und der jüdischen Großfinanz stehen.“  Sechs nervenzehrende Jahre mussten vergehen, ehe in Deutschland Ruhe einkehrte. Das Reich lag in Trümmern und fürchtete nun die Rache der Sieger. Sämtliche nationalsozialistischen Namen und Symbole wurden aus den Städten getilgt. Aus der Adolf-Hitler-Straße wurde die Bahnhofstraße, die Hindenburgstraße wurde zur Lenbachstraße und aus dem Adolf-Hitler-Platz entstand der Lenbachplatz. 

Die Vertreibung

Die Vertreibung

Sudetenlandstraße, Beskidenring, Prachatitzer Straße. Diese und weitere Straßennamen in Neuburg und Schrobenhausen erinnern an ehemals deutsche Städte und Siedlungen östlich der heutigen Grenze in der Tschechischen Republik und der Slowakei. Andenken an die Vertreibung der Sudetendeutschen im Jahr 1946.
Als die Vertriebenen zu tausenden in Schrobenhausen ankamen, wurden sie zunächst in Massenquartieren wie Wirtssälen untergebracht. Als diese neuen Bürger Jahre später feste Wohnungen bezogen hatten, zählte die Stadt 60-70% mehr Einwohner als vor dem Krieg. Siedlungen sind auf einstigem Bauernland entstanden, die größte: das neue Mühlried. Amts- und landläufig wurden diese Neu-Schrobenhausener „Flüchtlinge“ genannt, so wie schon gegen Ende des Krieges Evakuierte aus zerstörten Großstädten und Südosteuropa bezeichnet wurden. Doch das 1945 gegründete Flüchtlingsamt hatte mit den Vertriebenen die größte Arbeit. Ein Jahr später setzten die Sudetendeutschen schließlich die Bezeichnung „Heimatvertriebene“ durch. Doch nicht nur in Schrobenhausen, auch in Gerolsbach, Singenbach, Waidhofen und vielen anderen Orten um die Stadt entstanden Gemeinschaftsunterkünfte für Vertriebene. Der größte Transport, der Schrobenhausen erreichte, zählte 1166 Personen.

Das Europäische Spargelmuseum

Das Europäische Spargelmuseum

Passend zum Beginn der Spargelsaison 1985 wurde das Deutsche Spargelmuseum beim Pflegschloss Am Hofgraben eröffnet.Die Idee eines solchen Museums hatte der  Rechtsanwalt Dr. Klaus Englert. Eingerichtet und übergeben an die Stadt Schrobenhausen wurde es vom Verein der Freunde Schrobenhausener Museen. 1991 wurde das Museum zum Europäischen Spargelmuseum erweitert. 

Der dreistöckige Turm beherbergt vier verschiedenen Abteilungen mit mehr als fünfhundert Ausstellungsstücken:

  1. Spargel in Landwirtschaft und Gartenbau
  2. Spargelgeschichte, Spargelverbreitung, Spargelheilkunde und Spargelkochkunst
  3. Spargel in Kunst und Literatur
  4. Spargel in Sonderpublikationen

Im Erdgeschoss stehen vor allem landwirtschaftliche Geräte, die für den Spargelan- und abbau benutzt werden. Dazu gehören unter anderem Spargelpflüge, Spargeleggen, Spargel-Wegaufreißer und Waagen.

Im ersten Obergeschoss wird die Geschichte zusammen mit den kulinarischen Möglichkeiten des Spargels dargeboten.

Im zweiten Obergeschoss werden Gemälde, wie das „Spargelstilleben mit Glaskrug“ von Ludwig Muhrmann, Zeichnungen und Figuren ausgestellt.