Stadtspaziergänge

Stadtwallroute

1. Die Stadtmauer mit ihren Wehrtürmen

Schrobenhausens stimmungsvolle Türme und Mauern verschafften der Stadt an der Paar bereits früh einen stolzen Vergleich mit der ansehnlichen fränkischen Reichsstadt Rothenburg. Bis heute sind der alte Wall und die stattlichen Warten das unverkennbare Merkmal unserer Lokalität.

Wie Rom wurde aber auch Schrobenhausens beeindruckende Mauer nicht an einem Tag erbaut: Vielmehr gingen die Konstruktionspläne jahrzehntelang von einer Generation auf die nächste über: Anfang des 14. Jahrhunderts umgrenzte Schrobenhausen eine relativ instabile Holzbefestigung, im Graben um den Wall plätscherte das Wasser vor sich hin. Die Wehranlage fiel 1388 während des Städtekrieges zwischen Schwaben und Wittelsbachern der herben Verwüstung durch die Augsburger zum Opfer. Noch im selben Jahr leitete der Herzog von Oberbayern-Ingolstadt, Stephan III, uns allen bekannt als der „Kneißel“, den schnellen Wiederaufbau ein und sorgte so für eine Renaissance der altehrwürdigen Mauerbefestigung. Für die Schrobenhausener bedeutete diese Zeit einen raschen Aufschwung, sie durften Holz für die Neukonstruktion schlagen, mit Salz und anderer Kaufmannsware handeln und sie erhielten einen Aufschlag auf die Getränkesteuer, was ihnen zusätzliche Einnahmen bescherte.

Der Sohn unseres „Kneißels“, Ludwig VII der Gebartete, trieb die Aufräumarbeiten weiter voran, verfolgte dabei jedoch stärker egoistische Ziele: Er brauchte eine widerstandsfähige Befestigung für seine kriegerischen Drahtseilakte gegen seine Vettern in den benachbarten Teilherzogtümern. Eine Erinnerung an seine Dienste für Schrobenhausen findet sich an der Innenwand des Portalbaus von St. Jakob: Die Inschrift erzählt von seinen Plänen zur Vertiefung der Gräben um den Markt und die Vergrößerung des Oberen Tors. Allmählich lösten Ziegelsteine das labile Holz als Baumaterial ab. Wehre und Wasserstuben kanalisierten den jeweiligen Wasserstand.

Immer mehr erhielt die Stadtmauer nun ihre heutige Form: Sie wurde auf bis zu sieben Meter über der Erde erhöht und nach und nach durch zwölf Türme und zwölf Halbtürme verstärkt. Als Schutz gegen die wechselhafte Witterung verwendete man Schlämmputz, gegen feindliche Angriffe wurden Armbrustscharten errichtet. Im fünfzehnten Jahrhundert wies die Wehrmauer eine stolze Länge von 1170 Metern auf, mehrere Millionen Ziegelsteine waren bis zu diesem Zeitpunkt verwendet worden.

In Schrobenhausen brach die Hochzeit der Architektur an: etwa zur selben Zeit entstanden viele Sakralbauten wie die Vorstadtkirche St. Salvador, die Liebfrauenkirche und die Stadtpfarrkirche St. Jakob.

Wer Schrobenhausen einnehmen wollte, hatte mit einigen Schwierigkeiten zu rechnen: Der Turm der Frauenkirche diente als Aussichtspunkt, jede sich nähernde Gefahr konnte so schnell erfasst werden. Durch zwei Schieß- und Beobachtungsscharten wurden Angreifer früh erkannt, ohne dass die bespitzelnden Schrobenhausener selbst gesehen wurden. Ein Holzsteg, der nicht weit entfernt die beiden Gräben überquerte, konnte im Ernstfall schnell beseitigt werden.

Durch die Mauer wurde ebenfalls die Wasserversorgung geregelt. Trink- und Brachwasser konnten meist aus nahegelegenen Hausbrunnen entnommen werden. Die Abwässer wurden in einen kleinen Bach geleitet, der westlich des Oberen Tors die Mauer unterquerte und in den inneren Graben floss.

Der Bau der Mauer war jedoch noch lange nicht beendet. Der Nachfolger von Ludwig VII, Heinrich XVI, erlaubte den Schrobenhausenern 1447, in den Gräben Fische zu züchten und anschließend zu verkaufen, da sie mit dem verdienten Geld „die Mauer, Tore, Türme, Brücken und Wöhr bauen und bessern“ sollten.

Trotzdem reichten die Erlöse aus dem Fischverkauf oft nicht aus: Oftmals baten die Schrobenhausener um die Erlassung der obligatorischen Jahrsteuer, zumindest für die Zeit des Mauerbaus. 1529 hieß es in einer Bittschrift: „Wir haben auch noch an der Mauer zu bauen zwölf ganze Wachtürme und ebenso viele Halbtürme, zu jedem Wachturm einen Halbturm.“ Tatsächlich gewährten Herzog Wilhelm IV und sein Bruder Ludwig noch im selben Jahr den erbeteten Burgfrieden.

In den folgenden Jahrhunderten wurde auf die Instandhaltung der Mauer sehr viel Wert gelegt. 1760 erneuerte Kurfürst Maximilian III Joseph das städtische Privileg, im Hagenauer Forst jährlich bis zu vierzig Baumstämme zu schlagen, was der „Erbauung, Versicherung und Befestigung der Stadt“ dienen sollte. Für die Schrobenhausener war die Stadtmauer oftmals gleichzeitig Segen und Fluch. Vierhundert Jahre lang wurde konstruiert, verbessert und erneuert, die immensen Kosten brachten das wenig kapitalkräftige Schrobenhausen mehr als einmal an seine Grenzen. Bereits wenige Jahrzehnte nach der endgültigen Fertigstellung traten die ersten Mängel auf, Böden, Treppen und Dächer mussten verstärkt oder ganz ausgetauscht werden. Jedes Jahr wurden die Gräben abgelassen und gesäubert, die Uferbefestigungen mussten ständig ausgebessert werden. Die vom jeweiligen Herrscher zugestandenen Zuschüsse reichten bei weitem nicht aus, um die Mauer langfristig in einer guten Verfassung zu halten.

Teile der Befestigungsanlage wurden daher für zivile Zwecke genutzt: In zwei Türmen fand sich jeweils ein Gefängnis, in den restlichen wohnten städtische Bedienstete wie der Torwächter, der Schulmeister oder der Stadtbote, bei ausreichender Zahlungskraft wurde auch an Handwerker oder einfache Bürger vermietet. Schwierig zu erraten ist es deshalb nicht, wer zum Beispiel im Pflasterer-, Hebammen- oder Totengräberturm hauste.

2. Der Pflastererturm

Die Straßen des Mittelalters stellten für die Menschen und Tiere eine tägliche Herausforderung dar. Schlaglöcher, Regenpfützen, Spurrillen und andere Bodenverunreinigungen bildeten einen Hindernislauf, der den Menschen in alter Zeit sehr gefährlich werden konnte. Kein Wunder also, dass der Beruf des Pflasterers einen hohen Stellenwert in der Gemeinde einnahm. In dem gedrungenen Rundturm mit gotischem Zinnenkranz lebte der Pflasterer Schrobenhausens. Die ganze Stadt mit Pflastersteinen aus Granit auszulegen, um die Straßen alltagsfähig zu machen, war eine langwierige und schwere Aufgabe. Für dieses Vorhaben wurde sogar Pflasterzoll von Reisenden durch die Stadt erhoben, um das enorme Projekt zu finanzieren.

Auch betrieb hier einst Michael Kleeberger eine Bürstenbinderei, seine Tochter Magdalena übernahm diese noch für einige Zeit. Die von der ganzen Stadt gemochte Frau verbrachte ihr ganzes Leben von stolzen 80 Jahren in diesem Turm, bis sie letztendlich 1999 starb. Am Pflastererturm grenzt auch noch ein Stück alte Stadtmauer an, die sich dadurch auszeichnet, dass sie immer noch die selbe Höhe der ursprünglichen Mauer besaß. 1970/71 legt man dann einen Kinderspielplatz zwischen Pflasterer- und Bürgerturm im Stadtgraben an, auf dem man noch bis heute herumtollen kann.

3. Der Bürgerturm

Heute betritt man hier die Stadt durch einen ihrer inzwischen zahlreichen kleinen Eingänge. Doch dass das früher etwas Besonderes war, ist einem gar nicht mehr bewusst. Dieser war nämlich einst der einzige Zugang neben den meist verkehrsgefüllten Haupttoren der Stadt und er befindet sich neben dem Bürgerturm. Auch wenn der Name im ersten Moment sehr sozial klingt, so rührt sein Ursprung gerade von der Freiheitsberaubung her. Der vieleckige, mit Zinnen besetzte Turm diente als Gefängnis, in dem straftätige Bürger ihren Arrest absaßen, da sie als solche nur vor dem Bürgermeister verantwortlich waren.

Im Kontrast dazu steht der direkt angrenzende kleine Mauerdurchlass als erster zusätzlicher Stadtzugang neben dem Ober- und Untertor. Ihn benutzten ursprünglich die Steingriffer Kirchgänger, um zur heiligen Messe in Sankt Jakob zu gelangen. Auch Besucher der Vieh- und Wochenmärkte bedienten sich gerne der kleinen Abkürzung, um den oft stundenlangen Wartezeiten der Haupttore zu entgehen. Schließlich beschloss selbst der Stadtrat 1862, dort gehöre dringendst ein voll ausgebauter Durchgang hin. Allerdings löste man dieses Problem einige Jahre später durch die völlige Abschaffung der Haupttore und auch die wohl eher sarkastischen Vorschläge der Bürger, den Turm abzureißen und das Tor zu vergrößern, wurden glücklicherweise nicht in die Tat umgesetzt.

4. Der Gefängnisturm

Der wuchtige Turm auf der Westseite der Stadtmauer wird teilweise auch Fronveste oder Alte Fronveste genannt. Er diente als neues Gefängnis, nachdem der Amtsturm diese Funktion verlor. Der Stadtmaurermeister Franz Joseph Lenbach spendierte dem Turm 1845 ein neues Stockwerk und nahm noch zusätzlich geringfügige bauliche Veränderungen vor. Das Amtsgericht wurde später dem Turm hinzugefügt, als 1862 bei der Trennung von Verwaltung und Justiz das Gericht aus dem Pflegschloß abgezogen wurde. Das Amtsgericht am Westwall wurde zum Alten Amtsgericht, als 1872 das neue Amtsgericht an der Rot-Kreuz-Straße erbaut wurde. Zur Zeit erfüllt der Turm keinen bestimmten Zweck, da er aufgrund von Stabilitätsproblemen nicht zugänglich ist.

5. Der Hartlturm

Der ein oder andere mag bei dem Namen „Hartlturm“ skeptisch werden, da man sich unter diesem Namen nichts vorstellen kann. Hartl, bzw. Hardl, ist eine Koseform von Leonhard. Dies legt nahe, dass dort wohl einmal ein Leonhard gewohnt haben muss. Das amtliche Grundstücksverzeichnis gibt nur folgenden Aufschluss: „Worinnen 1807 die alte, verwitibte Bettelrichterin – später ein alter Bürgersohn, welcher vom Almosen lebt – die Wohnung gratis genießet; ist mit Ziegel gedeckt; gibt sonst vier Gulden Hauszins; ist baufällig“. Später, 1954 bis 1976, wurde der Turm von Viktoria Burlafinger bewohnt. Diese arbeitete im nicht weit entfernten Lenbachmuseum als Hausmeisterin und gab Führungen durch das Museum.
 
Zwei Jahre darauf wurde der Turm zum Sattlermuseum und beherbergt die Werke von Joseph Sattler. Dieser wurde am 14. Oktober 1978 in Schrobenhausen geboren und erlangte mittels seiner Zeichnungen, Radierungen und Holzschnitte Bekanntheit. Das Sattlermuseum ist eher klein und nur mäßig besucht, allerdings würde es einen triftigen Grund liefern, dem Turm einen angemesseneren Namen zu verleihen: Sattlerturm.

6. Der Lenbachturm

Wenn man sich mit der Geschichte Schrobenhausens und seiner Stadtmauer beschäftigt, wird man schnell feststellen, dass der Lenbachturm wesentlich älter ist, als sein Namensgeber. Laut einer Akte von 1807 stellte der Turm eine Behausung dar, „Worinnen der Stadtbote die Wohnung gratis genießet“. Er diente also als Wohnort des Schrobenhausener Stadtboten, welcher in ständiger Verbindung mit der Stadt München stand. Somit wurde der Turm Münchner-Boten-Turm, kurz Botenturm, genannt.

Seinen aktuellen Namen erhielt er daher, dass er am 20. August 1823 von Franz Joseph Lenbach, dem damaligen Stadtmaurermeister, aufgekauft wurde. Zusätzlich dazu erwarb der spätere Vater des bekannten Malers die fünf Stadtmauerbögen, riss ein Loch in die Stadtmauer und baute dort seine künftige Behausung, das Lenbachhaus, hinein. Der Turm wurde als Lagerstätte für allerlei Werkzeuge, Sprengpulver und anderes Material des Stadtmaurermeisters verwendet. An Maurermitteln kann es dem Meister nicht gemangelt haben, immerhin arbeitete Lenbach stets mit mindestens 20, zeitweise auch bis zu vierzig Gesellen, Handlangern und Lehrlingen.

Später, genauer im August des Jahres 1855, lud der damals 18 jährige aufstrebende Maler Franz Lenbach „das geehrte Publikum zur Einsichtnahme schon gemalter Portraite und anderer Arbeiten ergebenst ein“. Es ist gut möglich, dass der junge Künstler seine Werke im Rahmen seiner Ausstellung auch an der Wand des Lenbachturms angebracht hat. 

7. Der Amtsturm

Überquert man den Vorplatz des Pflegschlosses erreicht man den Amtsturm. Dieser setzt sich aus drei Stockwerken und einem Spitzdach zusammen.

Bis zum 16. Jahrhundert nutzten die herzoglichen Pfleger den Amtsturm um dort Straftäter unterzubringen, die nicht nicht durch den Bürgermeister gerichtet wurden. Dafür waren die Pfleger als Stellvertreters des Landesherrn zuständig. In Gerichtsstrafbüchern findet man Berichte von Ketten, Fußeisen, Strafgeigen, Schlössern und Riegeln, welche eigens für die Gefangenschaft im Amtsturm besorgt wurden.

Später wurde der Turm als Wohnung für Gerichtsdiener verwendet. 1877 bis 1878 plante Johann Nepomuk Hickl, ein Schrobenhausener Glasermeister und Cafébesitzer, in den unteren zwei Stockwerken des Amtsturms ein Café zu errichten. Das dritte Stockwerk sollte als Werkstatt dienen. Dazu wollte er einen Zugang von außen in die Wand des Turms schlagen. Dieses Unterfangen wurde jedoch abgelehnt um die Räumlichkeiten von Amtsangestellten und die geschäftige Atmosphäre des Bezirksamtes im Pflegschloss zu wahren. Ein weiterer Punkt war die drohende Brandgefahr durch Zigarettenstummel und Streichholzreste.

Am 28. April 1902 eröffnete der Historische Verein im Amtsturm das Heimatmuseum. Zu Beginn bestand die Sammlung aus ca. 500 Ausstellungsstücken. Zu den ersten bekannten Besuchern des Museums zählt Franz von Lenbach. Nach seinem Besuch am 29. September 1902 verkündete er: „In München kann man’s nicht besser zur Ausstellung bringen!“. 1909 zog das Heimatmuseum schließlich um in den Keller des Rathauses.

Von da an wurde der Amtsturm Registraturturm genannt, da dort alte Akten des Bezirks- und Landratsamtes gelagert wurden. Ab 1980 wurde er Archivturm genannt, da in dieser Zeit der Historische Verein hier sein Archiv aufbewahrte.

Am 13. Mai 1985 wurde im Amtsturm das Deutsche Spargelmuseum eröffnet. Aufgrund der Ähnlichkeit der Wörter Stangenspargel und Spargelstangen wird das Museum auch gerne „Stangerl-Museum“ genannt, was dem Turm den Namen „Stangerl-Turm“ einbringt. 1991 wurde das Museum zum Europäischen Spargelmuseum erweitert. 

Im Inneren des Amtsturmes befindet sich eine Kapsel aus Kupfer, welche Informationen über die zeitlichen Umstände des Jahres 2000 enthält. Diese darf allerdings erst wieder im Jahre 2100 geöffnet werden.

8. Der Heissenturm

„Worinnen dermalen Joseph Heiss, alter Maurer, wohnet. Ist eingnädig mit Ziegeln gedeckt. Zahlt eineinhalb Gulden Hauszins. Hat diesen Turm der Heiss auf seine Kosten herrichten lassen; daher gibt er auch ein geringes Stiftgeld.“ So liest man über den in der südöstlichen Stadtmauer gelegenen Heissenturm im Hauskataster von 1807. 1819 richtete man im Heissenturm, als es seit dem Anfang des 19. Jhd. Kein Heilig-GeistSpital mehr gab, ein kleines Krankenhaus mit vier Zimmern ein. Bis zu sechs Kranke konnten hier auf einmal behandelt werden und mit einhundert Gulden Gründungskapital wurde der Heissenturm zum Krankenhausturm. Von 1819 bis 1840 wurde dieses mehr schlechte als rechte Turmhospital vom Landgerichtsarzt Philipp Theobald Meixner geleitet, nach einem Schlaganfall übernahm sein Nachfolger Landgerichtsarzt Aurelius Hug diesen Posten. Hug unterstanden war der örtliche Chirurg Dr. Anton Bogner. Der Krankenturm stand seit seiner Gründung unter keinem guten Stern und mit Beginn der dreißiger Jahre häuften sich die Beschwerden über unzumutbare Hygieneverhältnisse innerhalb des Hospitals. Keine Badewannen und Urinschüsseln, keine Krankenblätter und keine Kartei, dafür miserable Betten und jegliches vorstellbare Ungeziefer. Denklich schlechte Voraussetzungen für ein Krankenhaus. Als im November 1840 die Lepra nodosa und 1841 die Schafpocken in Schrobenhausen ausbrachen war an eine Isolation der Seuchenkranken im Krankenhausturm schon gar nicht mehr zu denken. Man richtete schließlich das alte Waisenhaus, das Talhaus, für sie ein. Zu allerletzt trat schließlich Hug selbst vor den Stadtrat und ersuchte den Turm als Krankenhaus vollständig aufzugeben und nur noch im Talhaus zu praktizieren.

9. Der Seelweibturm

In dem mit Ziegeln gedeckten Turm wohnte früher die Seelen- oder Leichenfrau. Sie war dafür zuständig die verstorben für die Beerdigung herzurichten. 1807 übernahm diese Aufgabe Theresia Kneislin. Neben dem Turm war seit 1579 die Lachenschmiede gelegen, die der Bräumichl 1840 aufkaufte und dem Bräuhaus einverleibte.

10. Der Hebammenturm

Wie der Name schon vermuten lässt, lebte in diesem 1807 Turm die Unterhebamme. Im 19. Jahrhundert wohnte hier die Hebamme Maria Kreszntia mit ihrer Familie, den Reisners. Der Mann Joseph Reisner, klein aber aufbrausend, war staatlicher Lottokollekteur und leitete ein halbes Jahrhundert den Kirchenchor. „Der Mann sang noch im hohen Alter Tenor“ erzählen Thalhofer-Wiesmath.1856 starb er im Alter von 82 Jahren. Seine Frau half aber auch nach seinem Tod noch vielen Menschen ins Leben. „Wenn eine Kindstaufe war, so wurde der Zug immer von einer Schar Kinder begleitet, die sich um die Ehre stritten, das Häubchen oder das Jöppelchen des Täuflings während der heiligen Handlung zu tragen.“

11. Der Karpfenturm

Auf der Ostseite der Stadt befindet sich der Karpfenturm und bewacht den Mauerdurchgang bei der Alten Schulgasse. Vieleckig, wuchtig, mit seitlichen Mauerverstärkungen und gedrungenem Spitzhelm steht er drohend wie ein abweisendes Bollwerk da.

Der Karpfenturm ist wohl der Turm, der bereits am häufigsten umbenannt wurde. Die deutsche Schule, die sich früher in der Alten Schulgasse befand, brachte ihm den Namen Schulturm ein. Als Bimsenturm bezeichnete man ihn, da darin der Feldhüter gewohnt hat. Der dramatischste Name jedoch war das Siechenlokal. „1678 erkrankten zwei Reiter des Obristwachtmeisters Walser, welche am 7. Februar in den Pimsenturm zur Kurierung verschafft wurden.“ Diese beiden Soldaten waren an der Pest erkrankt. Im 19. Jahrhundert lebte im Turm die Oberhebamme, woraufhin er als oberer Hebammenturm bekannt war. Schnellturm hieß er aufgrund von Dauermietern. Nachdem der Mieter Koller-Sepp verstorben war, benannte man ihn nach diesem und er war bekannt als der Kollerturm. Seinen heutigen Namen bekam der Turm, weil hier der Mann lebte, der sich um die Fischzucht im inneren Stadtwall kümmerte.

12. Der Stadtwall

Zu den markantesten Merkmalen der Stadt Schrobenhausen zählt wohl der Stadtwall. Er bietet sowohl den Schrobenhausenern als auch Besuchern die Möglichkeit, im Schatten der Bäume um die Innenstadt zu spazieren. Dabei erhält man einen herrlichen Blick auf die mittelalterliche Stadtmauer mit all ihren Wehrtürmen.

Der Schrobenhausener Stadtwall, so wie man ihn heute kennt, wurde Ende des 14. Und Anfang des 15. Jahrhunderts, als Schrobenhausen zu einer Befestigungsanlage umgebaut wurde, errichtet. Er existierte zwar schon vorher, war damals aber noch nicht so hoch und breit. Um den Wall also weiter auszubauen, wurde das Erdreich benutzt, das durch die Aushebung der zwei Wassergräben davor und dahinter zur Verfügung stand. Zweck war es, Schrobenhausen vor feindlichen Angreifern zu schützen. Dieses Ziel erfüllte der Schutzwall voll und ganz, da es für den Feind nahezu unmöglich war, den ersten Graben, den Schutzwall, den zweiten Graben und schließlich die Stadtmauer mit ihren Wehrtürmen zu überwinden, während man von Letzterer penetrant mit Pfeilen abgeschossen wurde. Deshalb fokussierten sich Angreifer auch immer ausschließlich auf die beiden Stadttore. Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde eine solche Verteidigungsbarriere schnell überflüssig und die Pflege des Walls wurde eingestellt.

Im Laufe der Zeit verfiel der Stadtwall also weiter und wurde immer schmäler. Dies führte dazu, dass 1824 der damalige Schrobenhausener Bürgermeister Willibald Frisch die Wallkronenverbreiterung anordnete. Er wollte es wieder ermöglichen, auf dem Stadtwall spazieren zu gehen. Daraufhin begannen einige eifrige Schrobenhausener, unter ihnen Frischs späterer Schwiegersohn, der Hauptlehrer Michael Sommer, mit der Restaurierung des Walls. Sie schütteten wieder Erde auf um den Wall höher, breiter und somit bequem begehbar zu machen. Außerdem setzten sie sich für eine neue, ansprechende Bepflanzung ein. So wurden 1825 Bäume in zwei Reihen auf dem Wall, sowie Blumen auf den äußeren Böschungen gepflanzt. Wenn durch starke Stürme Schäden an den Bäumen entstanden, wurden sofort junge Bäume nachgepflanzt. Im Jahre 1856 wurde der Promenadenweg auf Verlangen des Magistrats gekiest. Ein Jahr darauf beschwerte sich ein heimatverbundener Schrobenhausener darüber, dass einige Bürger am Stadtwall Stufen anbringen, die das Erklimmen erleichtern sollen. Allerdings verglich er diese Stufen mit Hühnerleitern und prangert die Verunstaltung des Stadtwalls an.

Die Instandhaltung des Schrobenhausener Stadtwalls liegt den amtierenden Stadträten und dem Bürgermeister sehr am Herzen. Immerhin bietet er mit seinen an die vierhundert Bäumen einen eindrucksvollen Eindruck in die Geschichte des Städtchens.

13. Der Totengräberturm

Will man vom Altenheim Sankt Georg in die Stadt, so lässt es sich fast nicht vermeiden, den Totengräberturm zu passieren. Er grenzt direkt am dortigen Durchgang in der Stadtmauer an. Früher war er bekannt als Kettnerturm aufgrund der Familie Kettner die in diesem Turm hauste. Dieser Name kam bei den Bürgern der Stadt allerdings nicht sehr gut an. Sein jetziger Name beruht auf dem Totengräber, der 1807 hier seinen Wohnsitz hatte. Die Position war für ihn perfekt, denn bevor der damals neue Alte Friedhof eröffnete, wurden die Toten bei der Pfarrkirche begraben. Der Turm zeichnet sich aus durch ein kleines angebautes Häuschen im inneren Grabenbereich. Es stützt unter anderem den Mauerbereich, der sich durch instabilen Boden nach außen neigt. In Zeiten, in denen der Graben nicht mit Wasser gefüllt war, besaßen die Anwohner hier auch eigene Gemüsegärten, die ihnen den mühsamen Weg bis zu den offiziellen Gartenstücken in drei Linden ersparten.

14. Der Pechlerturm

Im Nordwesten der Stadt erhebt sich der vieleckige und spitzhelmige Pechlerturm. Er ist der wohl wehrhafteste Turm Schrobenhausens und ihm gegenüber befindet sich die evangelische Kirche. In ihm wohnten früher die Pechler, die das Baumharz zu Schmiermittel aufbereiteten und an Schuster, Schmiede und weitere Handwerkerberufe verkauften. Kurzzeitig soll hier auch der Aufseher der Weißkrautfelder gewohnt haben, der von den Bürgern oftmals liebevoll als Krautkopf bezeichnet wurde. Auch nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Turm noch als Wohnanlage benutzt. Damals wohnten dort die Schirmflickerin und Hobby-Hundezüchterin Anna Wendl, sowie der Reserve-Totengräber der Pfarrei Andreas Kienast.

Heute erstrahlt der Turm wieder in neuem Glanz, denn vor einigen Jahren wurde er fachmännisch restauriert. Das kann man von der Mauer allerdings nicht behaupten, denn Mitte des 19. Jahrhunderts riss man einen Teil, inklusive eines weiteren Turms, nieder, um Platz für den Bau neuer Wohnhäuser zu schaffen. Anzumerken ist auch, dass der Turm auf Boden von geringer Stabilität steht. Aufgrund der nahegelegenen Anschwemmungsbereiche wurden der Turm und die umliegende Mauer auf Pfählen gebaut. Auch heute noch ist eine Neigung des Mauerstücks zwischen Totengräber- und Pechlerturm zu sehen, das auf den instabilen Boden zurückzuführen ist.

Brunnenroute

1. Evang.-Luth. Kirchengemeinde Christuskirche Schrobenhausen (Martin-Luther-Platz 2)

Seinen ersten Gottesdienst beschreibt Dekan Gottfried Meinzolt folgendermaßen:

„Die Tür zum Amtsgerichtsgefängnis wurde mir nur ganz kurz geöffnet und sofort wieder fest verschlossen, damit ja keiner der im Haus untergebrachten Häftlinge entweichen konnte. An deren Zellen vorbei stieg ich auf einer dunklen Treppe in den zweiten Stock, wo durch Herausbrechen von Zwischenwänden drei Zimmer zu einem Raum zusammengefasst worden waren. Der Platz war jedoch so beschränkt, dass nach dem Altargottesdienst der ganze Altar abgeräumt werden musste, damit die Gemeinde in dem langen Raum den Pfarrer während der Predigt sehen konnte. Wir sangen das Lutherlied Ein feste Burg ist unser Gott, worauf die Häftlinge in den Stockwerken darunter die Internationale anstimmten. Sie schrien so laut und polterten gegen die Zellentüren, dass verschiedene Frauen aus Angst in Ohnmacht fielen und Monate hindurch nicht mehr zu den Gottesdiensten zu kommen wagten."

1933/34
Einweihung Kirche, inzwischen 250 Protestanten

1945
1865 Protestanten, eigener evang. Pfarrer, aus Tochtergemeinde wird selbstständige evang.-luth. Kirchengemeinde

1950
Wohnhaus für die Pfarrersfamilien wegen Residenzpflicht (Tradition der protestantischen Kirche); während Nachkriegszeit, Pfarrer noch mit Kind und Kegel im Kirchturm auf beengtem Raum gewohnt; Heute: Sakristei als Amtszimmer und Archiv; Pfarramtssekretariat ist in dem kleinen Gemeinderaum untergebracht. Münchener Kunstmaler Gottfried Klein: Bild des gekreuzigten Erlösers über dem Altar. Kirchenvorstand 1953/54: Namen „Christuskirche“

2012
Schäden wegen zwei Hochwasser 1994 und 1999 an Keller und Fundamenten à Abriss Pfarrhaus (2015à 80,5-jährige Jubiläumsfeier) Mit einem Anteil von neun Prozent an der Bevölkerung der Stadt ist die evangelische Gemeinde in Schrobenhausen vergleichsweise klein.
 

 

Öffnungszeiten Pfarramt:

Mo, Di, Do

9 bis 12 Uhr

Donnerstag

13 bis 16 Uhr

Telefon: 08252 89206
Jeden Sonntag um 10:15 Uhr Gottesdienst, auch extra Krabbel-, Kinder-, Jugendgottesdienste

 

Der Lutherbrunnen

Der 1981 von Egon Wiedmann gemeißelte Brunnen steht vor der evangelisch-lutherischen Kirche auf dem Martin-Luther-PLatz. Die an der Säule befestigten Schalen brechen das Wasser, zusätzlich wird er von der Lutherrose verziert, welche mit den fünf Blättern und dem Kreuz im Herzen einen kirchlichen Bezug herstellt.

 

Der Gockelbrunnen

Der im Innenhof des Gemeindezentrums der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde stehende Brunnen, besteht aus einem bronzenen Hahn, welcher Wasser in ein Becken speit. Warum der 1977 von Karl-Heinz Torge geschaffene Brunnen einen Hahn trägt, lässt sich dadurch erklären das er ein Christussymbol ist

2. Das Zeiselmairhaus

Bereits 1478 erbaut ist das Zeiselmairhaus neben den Kirchen eines der ältesten Häuser Schrobenhausens und eines der wenigen erhaltenen spätmittelalterlichen Handwerkerhäusern im nördlichen Oberbayern. Der erste nachweisbare Hausbesitzer war der Leinweber Melchior Burger, welcher ab circa 1694 In der Lachen wohnte und weswegen das Haus früher Lachenweberhaus genannt wurde. Erst 1860 kaufte der heutige Namensgeber Karl Zeiselmair den vorderen Teil. Als Vorstufe zum allseits bekannten Fachwerkbau wurde dieses Gebäude mit einer altüberlieferten, heimattypischen Ständerbauweise konstruiert. Ein hölzernes Gerüst aus tragenden Säulen, schrägen Streben und waagrechten Riegeln sind die Hauptbestandteile des Hauses. Das Dach war mit Stroh gedeckt, der Fußboden einfacher, gestampfter Lehm. Die Türen waren nur ca. 1,50 m hoch und hatten einen Eselsrücken also einen spätgotischen Kielbogen. Diese niedrigen Türen und auch kleine Fenster sollten teure Verglasung ersparen und die Wärme im Haus halten. Für ein mittelalterliches Holzhaus sehr außergewöhnlich war das ausgebaute Dachgeschoss, welches in vier Räume mit Bohlenwänden unterteilt war. Diese Aufteilung des Obergeschosses ist im Wesentlichen heute noch original vorhanden, während im Erdgeschoss wahrscheinlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Holzwände und die beiden Holzgiebel durch Ziegelmauern ersetzt wurden. Durch diese Bauform wirkt das Haus vermeintlich wie ein Gebäude des 17. Jahrhunderts. Auch andere, weniger offensichtliche Stufen der Bauentwicklung können bei genauerem Betrachten festgestellt werden. Ungefähr ab 1800 war das Haus in Nr. 189 und Nr. 189 ½ unterteilt, diente also als Zweifamilienhaus. Das Zeiselmairhaus war außerdem für mindestens vier Generationen die Wohnstätte und Werkstatt für Schuhmacher. 251 Jahre nach dem ersten erfassbaren Bewohner (also 1975), stirbt der letzte – nun steht das Haus vorerst leer, bis die Stadt beschließt, es zu kaufen und in einen besseren Zustand bringen zu lassen. Seit 1990 fungiert es als Museum und zeigt Ausgrabungen, das Handwerk der Weber und Schumacher und die Wohnsituation zu damaligen Zeiten.
 

Öffnungszeiten:              

Mai – Juni

Sa/So

14.00 – 17.00 Uhr

Juli – Sept

Sa/So

14.00 – 16.00 Uhr

Okt – April

geschlossen

Öffnung auf Anfrage möglich

Telefon: 08252 90214 oder 08252 90985-0

Brunnen an der Lachen

Der nachfolgende Brunnen wurde vom Bildhauer Richard Gruber entworfen. Dieser Steuerte auch seine eigene Erläuterung beziehungsweise Erklärung zu seinem Brunnen bei. Weiterhin dichtete er zwei Gedichte zu Einweihung der Brunnen.

Atelier
Obermühlstr. 27
86529 Schrobenhausen (Ortsteil Hörzhausen)       
Telefon + Fax: 08252-820 490

Wohnung + Büro
Gregor-Mendel-Str. 38
86529 Schrobenhausen       
Telefon: 08252-831 68  
Mobil: 0151-17 80 71 54   
E-Mail: miessl.gruber@t-online.de
Internet: www.richardgruber.de  

 

Schusterbua trifft Händimadl

Am wohl ältesten Ortsteil von Schrobenhausen begegnen sich in der Brunnengestaltung Gegenwart und Vergangenheit. Ein Schusterlehrbub aus früheren Zeiten unterhält sich mit einem gleichaltrigen Mädchen aus unserem Jahrhundert über den Wandel der Zeiten und zeigt ihr ein Paar handgefertigte Schuhe. Das Mädchen kommt mit ihrem Instrument gerade aus einer Musikprobe und hat eben noch ihr Smartphone gecheckt nach Neuigkeiten im Freundeskreis Symbolische Wasserspender speisen das Brunnenbecken: Die Wasserstrahl aus dem Hammer des Schusters vereinigt sich mit den Wasserstrahl aus dem Handy seiner Gesprächspartnerin. Gegenwart und Vergangenheit bringen das „Wasser“ für das Wohlergehen unserer Stadt (Geist, Phantasie, Schaffenskraft, Bürgersinn, … alles was eine Stadt ausmacht). Was unsere Vorfahren gestaltet, erdacht und erarbeitet haben tragen wir weiter. Wir dürfen mit Respekt und Freude darauf zurück blicken und -falls wir meinen wir können es heute (noch) besser - haben wir viele Möglichkeiten dies zu beweisen. Die Betrachter des Brunnens können überlegen, was es bedeutet, ein handgemachtes Paar Schuhe zu bekommen und dies bewerten, im Verhältnis zu unseren schnelllebigen Produkten. Anhand des Brunnes können bei Stadtführungen Geschichten zur Lachen erzählt werden.

Technische Beschreibung und Funktion

Brunnenscheibe, Durchmesser 2 m, Brunnenrand ist ca. 40 cm hoch, also bequeme Sitzhöhe. Die beiden Wasserspender können gemeinsam laufen oder wie in einem Gespräch hin und her wechseln und schließlich wie ein gemeinsames Lachen der beiden über ihre Zusammenkunft, miteinander spritzen. Die Innenfläche des Beckens ist plastisch gearbeitet, so dass bei leerem Becken im Winter eine gestaltete Beckenfläche zu sehen ist. Der Stein ist Kelheimer Naturstein, frostbeständig und pflegeleicht, ca. alle zwei Monate empfiehlt sich ein Wasserwechsel mit Reinigung des Beckens. Vom Überlauf läuft das Wasser aus dem Becken und wird „In der Lachen“-mäßig über eine gepflasterte Rinne in die Brunnenkammer zurück geleitet. Die zwei Bronzefiguren sind ca. 75 cm hoch und sind auf Augenhöhe mit Besuchern, wenn diese am Brunnenrand sitzen. Die Figuren haben inwendig die Wasserzuführungen zu Händi bzw. Hammer.

Schrobenhausen, 30.09.2014
Richard Gruber

Brunneneinweihung

Ei da steht das Händimadl
mit ihre zaundürren Wadl
frisch von der Gitarrenstund kimmt se
und grad eben nimmt se
sich ihr Händi und sie blickt
g`spannt darauf: „Hod wer was geschickt,
hod wer was gsimst?“ Sie wischt munter
hinauf und quer wieder herunter 

Plötzlich spritzt es vor ihr quer
sie sieht es gleich: Da sitzt ja wer
ein frecher Kerl, wo spritzt’s denn da raus?
„Servus, i bin da Schuster vom Zeiselmairhaus
und wer bist, i glaub i kenn di`?“  

„Des glaub i ned!“ plötzlich ihr Händi
Ja wie es nur grad gehen kann
fängt während sie red` zum spritzen an
hört wieder auf, dafür spritzt er
dann wieder sie und hin und her
spritzt Wort und Wasser, ja grad gnua 

„I bin a Schuster, da schau die Damen - Schuah
handgmacht!“ - „Sauber“ staunt sie verwundert
du schaust aus wie aus am andern Jahrhundert!“ 

„Stimmt genau“ spritzt darauf er 
„Du lernst Gitarre is des schwer?“
„Geht scho“ sagt sie, die Schuah san fei Klasse
keine Produktion Masse
wie bei uns heute, deine Schuah san voll ok 

und er im Sitzen sie im Steh
sie spritzen heiter weiter bis gefüllt  zum Rand
das Steinbecken  auf dem das Pärchen stand
Und bei Vollfüllung vorn der Bär
der brummelt grinsend ungefähr 

„Ich spuck` a weng was  aus, das ist mir lieber
als dass die ganze Chose über
läuft.“ Und so spuckt er der Bär
a Lache in die Lachen her! 

Und die Brunnenbotschaft, die wär?
Wem das Gefühl im Herz gegeben
das Alte mit dem Jungen zu  verweben
mit Respekt auf ein paar handgemachte Schuhe zu schauen, 
aber auch der Zukunft  zu vertrauen 

wer so über die Zeiten fühlt in dieser Art
freut sich grad erst recht an unserer Gegenwart
an den Momenten, dem Augenblick wie Goethe es gesehn
verweile doch du bist so schön!

Zu danken wär von mir zum Schluss
wer fördert hier Stadtgenuss?
Mathias, Klaus und Bastian,
ihnen schloss sich der Martin an,
der Beltzig zeichnete alles lecker,
schön umgesetzt hat es der Ecker.  

Dank auch der Stadt, insbesondere der Schnupftabak, vom Stadtbaumeister
erhielt und weckte wochenlang meine kreativen Geister 

Dank allen Brunnenspendern auch
Danke weiter für den Gebrauch
des Bauer-Krans. Django und Markus, mit Akribie
setzten sie den Brunnenstein millimetergenau hi` 

Dank auch an Max, er hat vom Hans instruiert
den Wasserlauf fein programmiert
den Lauf des Wassers  den Holger mit Bedacht
aus  Rohren, Ventilen und Pumpe und gemacht
auch Dank an unseren Nachbarn Hans für alle Steinhebungen und ganz
zum Schluss Dank meiner Frau
Annemie, die steinwerkelte so genau.
Du warst oft so staubig, tapfer für die Sache
dein schöner Stein ziert nun die Lache
dass meine Figuren drauf stehn
find ich schön!

In diesem Sinne viel Freud viel Spaß
mit dem Lachen –Brunnen-Nass!  Spritzer 

3. Die Stadtpfarrkirche Sankt Jakob

Das wohl bekannteste Gebäude Schrobenhausens ist die Stadtpfarrkirche Sankt Jakob mit ihrem 73 Meter hohen Turm.

Über die Baugeschichte der Kirche fehlen leider viele wichtige Archivalien, da Schrobenhausen politisch vor 1447 zum Herzogtum Bayern-Ingolstadt gehörte, später aber dann zum Herzogtum Bayern-Landshut. Jedoch kann man bei genaueren Hinsehen stilistische Ähnlichkeiten zu der Ingolstädter Liebfrauenmünster und Landshuter Sakralgotik erkennen. Aus diesem Grund wird die Bauzeit auf die dreißiger bis achtziger Jahre des 15. Jahrhunderts geschätzt.

Die von außen schlichte Kirche besitzt eine Sakristei, die 1532-1538 hinzugefügt wurde, und zwei Seitenkapellen am Westportal. Eine davon wird heute noch als Taufkapelle benutzt. Der unübersehbare Turm der Kirche wurde auf den Überresten eines Bergfrieds errichtet, der einmal Teil eines Adelssitzes war. In den Jahren 1617-1624 wurde der Turm auf die heutige Höhe aufgestockt.

Im Inneren findet man einen spätgotischen und dreischiffigen Raum mit wuchtigen Säulen, die sanft in das Sterngewölbe übergehen. Auffällig sind auch die Wandmalereien und Steinbildwerke, wie die Weihwasserbecken mit figürlichen Darstellungen, das Volksaltar und der eindrucksvolle Inschrift-Wappen-Stein Herzog Ludwigs VII. in der Westeingangshalle.  Auch die Holzbildwerke kommen in dieser Kirche nicht zu kurz. Hier sollten unbedingt die von Hand geschnitzten Beichtstühle und das Kirchengestühl betrachtet werden.

Die fünfzehn Farbglasfenster sind die neuesten Besonderheiten, den sie wurden erst in den Jahren 1950-1983, als das Gotteshaus ausgestaltet wurde, hinzugefügt. Die Gläser bestehen aus mundgeblasenen Antikgläser, die durch ihre nicht vorhandene Überzugfarbe die Strahlen der Sonne in die Kirche lassen.

Die heutige Ausstattung ist jedoch nicht die ursprüngliche. Diese musste den schonungslosen Renovierungen von 1854-1859 weichen. Erst später versuchte man mit grundlegenden Renovierungen die monumentale Würde der Kirche wiederherzustellen.

Der Lebensbaumbrunnen

Versteckt im Garten des Pfarrzentrums von Sankt Jakob (Im Tal) ist der 1980 vom schrobenhausener Bildhauer und Steinmetzmeister Karl-Heinz Torge geschaffene Brunnen zu entdecken. Künstlerisch und ideell gleichermaßen anspruchsvoll dreht sich dieser um die wichtigste Zahl des Alten Testaments, die heilige Zahl Sieben. Diese ist Inbegriff für Fülle und Reichtum und ruft ebenfalls die Schöpfungsgeschichte mit ihrer siebentägigen Einteilung in Erinnerung. Sieben keilförmige Erhöhungen im granitenen Brunnenbecken sowie sieben Ausgüsse des Wassers greifen die Zahl auf. Durch das heraus quillende Wasser als Symbol des Lebens kann der bronzene Quellbaum, also die Brunnensäule, als Baum des Lebens betrachtet werden. In dessen Krone können aufmerksame Betrachter die Schöpfungsgeschichte auf verschiedenen Ebenen mit Pflanzen, Tiere des Wassers, der Erde und der Luft sowie Adam und Eva erkennen.

4. Das Rathaus

Das Rathaus nimmt als das zentrale Verwaltungsgebäude und Sitz des Bürgermeisters seit jeher eine besondere Rolle im Gefüge einer Stadt ein. Die Geschichte unseres Rathauses am Lenbachplatz beginnt vermutlich um 1327. 1327 nämlich verwendete der damals noch „Markt“ Schrobenhausen das erste nachweisbare Mal ein eigenes Wappensiegel. Im Erdgeschoss befanden sich die Lager- und Verkaufsräume der Schranne, im ersten Obergeschoss die Ratszimmer. Schon 1388 jedoch verwüstete das schwäbische Bundesheer Schrobenhausen und damit auch das noch relativ junge Rathaus, lediglich eine Ruine blieb von dem ursprünglichen Stein- und Holzbau. 1388 bis 1447, in diesem Jahr wurde der Markt zur Stadt erhoben, vermutet man den Wiederaufbau des Gebäudes zusammen mit der ebenso zerstörten Stadt. Dieser Neubau wiederum wurde 1580 erweitert oder neugebaut. Letztendlich beherbergte das dreistöckige Rathaus Verkaufsräume für Fleisch und Brotwaren, einen langen Boden für die Gerichtsschranne,den Jahrmarkt und Tanzveranstaltungen, den Ratssitz und den Stadtrat. Der nächste große Umbau nach dem Plan Joseph Lenbachs stand 1855 an und die Verwaltung des Magistrates zog in das ursprüngliche Rat- und Tanzhaus der Stadt. Der damals 19-jährige Franz Lenbach war im Laufe des Baus ganz maßgeblich am Äußeren des Gebäudes beteiligt. Nach 35-jähriger Abwesenheit kehrte der inzwischen berümt gewordene Maler in seine Geburtsstadt zurück und versprach Hilfe bei der festlichen Ausgestaltung des Ratssaales, des Lenbachssaales. 1898 stellte er sein Gemälde „Prinzregent Luitpold im Jagdkostüm“ für diesen Zweck zur Verfügung. Hinzufügend half Lenbach durch Vermittlung von Kontakten bei der Planung der Fassaden und des Einbaus des Saales. Großzugig und breitwillig spendete der berümte Sohn Schrobenhausens weit über zehntausend Goldmark an die Stadt und in das Rathaus. Fünfundzwanzig Jahre später wich all die Pracht und Schönheit des prunkvollen Gebäudes dem heutigen, funktionellen Rathaus, 1970 wurde es eingeweiht. 

Lenbachbrunnen am Rathausplatz

Früher stand anstatt des Vogelbrunnens der sogenannte Lenbachbrunnen auf dem Rathausplatz. Dieser stellte zwar einen Maler dar, allerdings nicht, wie der Name vermuten könnte, Lenbach selbst, sondern eine fiktive Figur. Dieser Brunnen wurde von Benno Miller entworfen und von Jakob Widmann 1918 gebaut. Später musste der Brunnen dem Vogelbrunnen weichen und steht heute im ehemaligen Holzgarten in Dreilinden.

Der Marktbrunnen

Der damals wichtigste Brunnen steht am ehemaligen Marktplatz, dem heutigen Lenbachplatz. War Markttag versorgte dieser Brunnen die Markttreibenden mit dem notwendigen Wasser. Auch auf Gemälden ist dieser Brunnen zu sehen, so auch auf dem Ölgemälde von Joseph Wohlmut, welcher den Markt künstlerisch einfing. Im Ölbild ist er mit einem quadratischem Brunnenkasten und steinernen Säule zu sehen. Außerdem befindet sich an ihm eine Büste des Landesvaters. Eine spätere Skizze stellt den Brunnen mit Basistreppen, vieleckigen Brunnenkasten, einer neugotischen Säule, Fialen und Krabben dar.

5. Der obere Stadtbrunnen

Wenn man früher eine Reise unternehmen wollte, war der obere Stadtbrunnen, durch seine günstige Lage, noch für eine schnelle Erquickung nützlich. Zu dieser Zeit stand er vor dem Gasthaus „Herzog Max“, aus dem später das Kaufhaus Schmederer wurde.

Der Brunnen, den man heute an dieser Stelle sehen kann, ist leider nicht mehr das Original. Dieser wurde schon 1948 durch einen ungeschickten amerikanischen Panzer mitsamt der Zuleitung aus der Verankerung gerissen. Zwanzig Jahre später beschloss der Stadtrat einen neuen zu bauen.

6. Der mittlere Stadtbrunnen

Mit Verzierungen aus Langfeldern, Wulstringen und Vierpässen an einer Säule, welche ein kelchförmiges Becken trägt, steht dieser Brunnen vor dem ehemaligen Handelshaus Stief.

7. Der untere Stadtbrunnen

Früher versorgte dieser Brunnen Durchreisende und Anwohner, allerdings musste er am 12.September 1874 abgebaut werden. Der Stadtrat lies am 22.Juli 1986 einen neuen unteren Stadtbrunnen aufstellen. An einer breiten Handelsstraße die von Norden nach Süden verlief, wo die Nagelschmiedgasse von der Lenbachstraße abzweigt, stand der Brunnen.
 

8. Der Stadtwallbach

Der Bach war Teil der einstigen Stadtbefestigung. Früher verlief er zwischen dem inneren und dem äußeren Stadtgraben; um 1825 wurde er unter Federführung von Michael Sommer in eine Parkanlage mit einer Länge von ca. 1.300 m umgestaltet. Das Areal steht unter Denkmalschutz und ist mit rund 530 Bäumen bepflanzt, darunter Eichen, Kastanien, Linden, Ulmen, Eschen und Ahorne. Mindestens 20 % der heutigen Bäume sind bis zu 150 Jahre alt.

Kirchenroute

1. Die Evangelische Christuskirche

Im Jahre 1902 gab es erste Anregungen für die Erbauung einer kleinen Kirche. Hierzu wurde 1908 der Kirchenbaufonds und 1909 der Kirchenbauverein gegründet. Den Vorstand des Vereins übernahm Forstmeister von Unold, sein Stellvertreter wurde der Bezirksarzt Dr. Frickhinger. Große Unterstützung erhielten sie durch Georg Leinfelder, der ihnen den Bauplatz schenkte. Obwohl die Inflation von 1923 die Gelder entwertete, ließ man sich nicht entmutigen und zahlte bereits ein Jahr später wieder in den Baufonds ein. Der Dekan Meinzolt hielt den Betsaal von Schrobenhausen für den unwürdigsten Predigtsaal in ganz Oberbayern. Dementsprechend energisch setze er sich für den Kirchenbau ein und konnte erreichen, dass der Gustav-Adolf-Verein eine Jahresabgabe und zusätzlich Sonntagskollekte zusagte. Somit konnte der Bau gewagt werden. Der Architekt Leopold Kalbitz war für den Sakralbau verantwortlich. So wurde am 01. August 1933 der erste Spatenstich getan und circa zwei Wochen später der Grundstein gelegt. In den Grundstein wurden neben dem Bauplan, die Bibel, Urkunden, zahlreiche Wochenblattausgaben und der Katechismus (=Lehrbuch für den christlichen Glaubensunterricht) eingemauert. Verputz- und Innenausbauarbeiten erfolgten 1934. Im August des gleichen Jahres wurde die Kirche durch den Kreisdekan und Oberkirchenrat D. Baum, vor mehr als siebzig Geistlichen und circa eintausend Gläubigen eingeweiht. Augsburger Nachrichten beschrieben die Kirche: „Ein Satteldach krönt das Langhaus. Rechts des Portals erhebt sich der Turm. […]Der blick geht sofort auf den nach Osten gerichteten Altarraum. Der Altar ist mit Langensalzaer Travertin gedeckt und umkleidet. Über dem Altar erhebt sich ein monumentales, circa 3,5 Meter hohes Bild des gekreuzigten Erlösers. […] Das Licht fällt durch rundbogige, sechsfarbige Buntglasfenster leicht gedämpft in den Raum.“ 

Im Jahre 1942 mussten die große und kleine Glocke zu Gunsten der Kriegswirtschaft eingeschmolzen werden. Erst am 19. März 1961 konnten drei neue Glocken zusammen mit der Taufglocke von 1934 geweiht werden.

Am 27. Mai 1949 wurde die bisherige Tochtergemeinde der Ingolstädter Pfarrei, zur selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Schrobenhausen erhoben.

1953-1954 erhielt die Kirche den Namen Christuskirche und der Kirchplatz den Namen Martin-Luther-Platz. 1971 erhielt die Kirche ihre eigene Orgel mit vierzehn Registern und mechanischer Traktur. 1975 wurde die Tür von der Sakristei zur Kanzel zugemauert und die 1958 angebrachte Gittertür entfernt. Zwei Jahre später wurden die oberste Altarstufe und der Altarsockel abgenommen. Wegen dem von 1976-1977 gebauten Gemeindehauses wurde das linke Fenster des Altarraums vermauert. Die Seelenzahl der Kirchengemeinde stieg im Jahr 1946 auf 1865, verlor aber aufgrund von fehlenden Arbeitsplätzen im Landkreis viele Mitglieder und sank auf 1630.

Öffnungszeiten Pfarramt:

Mo, Di, Do

9 bis 12 Uhr

Donnerstag

13 bis 16 Uhr

Telefon: 08252 89206
Jeden Sonntag um 10:15 Uhr Gottesdienst, auch extra Krabbel-, Kinder-, Jugendgottesdienste

2. Alter Friedhof

Der heute historisch bedeutsame Friedhof, der früher als „alter innerer Gottesacker“ bekannt war, befand sich nicht immer an seinem heutigen Platz in der Bahnhofsstraße. Bis 1804 lag er rund um die Stadtpfarrkirche Sankt Jakob. Jedoch war dort die Grabfläche sehr stark durch die eng aneinandergereihten Häuser und schmalen Gassen eingeengt, weswegen er nach kurzer Zeit zu klein wurde.

Wegen der dringenden Notwendigkeit eines größeren Friedhofes wurde der „Gottesacker“ in der Innenstadt aufgelassen und eingeebnet. Die neue Ruhestätte wurde auf dem ehemaligen Gelände des Franziskanerklosters, das 1804 abgerissen wurde, errichtet. Eingeweiht wurde er am 6.Juni.1805 und nur einen Monat später fand dort die erste Beerdigung statt.

Die neu geschaffene Fläche reichte abermals nur für kurze Zeit, dann war auch dieser Friedhof zu klein und musste erneut erweitert werden. Während des Umbaus erhielt die Ruhestätte auch eine Ummauerung, die von dem Künstler Lenbach höchstpersönlich erbaut wurde.   

Als die Stadt Schrobenhausen wenige Jahre später von den Krankheiten Cholera und Blatternseuche überfallen wurde, mussten die Grabstätten neu verteilt werden.

Aus diesem Grund ebnete man die bereits vorhandenen Gräber skrupellos ein und schaffte Platz für neue. Im Jahr 1848 sollte der Friedhof seine eigene kleine Kapelle erhalten, die erneut von Lenbach entworfen und gebaut wurde. Kurz nach der Vollendung seines Werkes verstarb der Künstler und wurde vor der Kapelle im Familiengrab beerdigt, welches noch heute bei einem Spaziergang über den Alten Friedhof entdeckt werden kann.

3. Die Stadtpfarrkirche Sankt Jakob

Das wohl bekannteste Gebäude Schrobenhausens ist die Stadtpfarrkirche Sankt Jakob mit ihrem 73 Meter hohen Turm.

Über die Baugeschichte der Kirche fehlen leider viele wichtige Archivalien, da Schrobenhausen politisch vor 1447 zum Herzogtum Bayern-Ingolstadt gehörte, später aber dann zum Herzogtum Bayern-Landshut. Jedoch kann man bei genaueren Hinsehen stilistische Ähnlichkeiten zu der Ingolstädter Liebfrauenmünster und Landshuter Sakralgotik erkennen. Aus diesem Grund wird die Bauzeit auf die dreißiger bis achtziger Jahre des 15. Jahrhunderts geschätzt.

Die von außen schlichte Kirche besitzt eine Sakristei, die 1532-1538 hinzugefügt wurde, und zwei Seitenkapellen am Westportal. Eine davon wird heute noch als Taufkapelle benutzt.

Der unübersehbare Turm der Kirche wurde auf den Überresten eines Bergfrieds errichtet, der einmal Teil eines Adelssitzes war. In den Jahren 1617-1624 wurde der Turm auf die heutige Höhe aufgestockt.

Im Inneren findet man einen spätgotischen und dreischiffigen Raum mit wuchtigen Säulen, die sanft in das Sterngewölbe übergehen. Auffällig sind auch die Wandmalereien und Steinbildwerke, wie die Weihwasserbecken mit figürlichen Darstellungen, das Volksaltar und der eindrucksvolle Inschrift-Wappen-Stein Herzog Ludwigs VII. in der Westeingangshalle.

Auch die Holzbildwerke kommen in dieser Kirche nicht zu kurz. Hier sollten unbedingt die von Hand geschnitzten Beichtstühle und das Kirchengestühl betrachtet werden.

Die fünfzehn Farbglasfenster sind die neuesten Besonderheiten, den sie wurden erst in den Jahren 1950-1983, als das Gotteshaus ausgestaltet wurde, hinzugefügt. Die Gläser bestehen aus mundgeblasenen Antikgläser, die durch ihre nicht vorhandene Überzugfarbe die Strahlen der Sonne in die Kirche lassen.

Die heutige Ausstattung ist jedoch nicht die ursprüngliche. Diese musste den schonungslosen Renovierungen von 1854-1859 weichen. Erst später versuchte man mit grundlegenden Renovierungen die monumentale Würde der Kirche wiederherzustellen.

4. Die Frauenkirche

Der Bau der Frauenkirche begann 1409 und dauerte bis 1416. Diese Kirche und die dazugehörige Mittelmesse, die es ermöglichte, einen Geistlichen zu berufen und zu besolden, wurde vom ehemaligen Schrobenhausener Ulrich Peißer gestiftet. Er und seine Familie erhofften sich durch ihre Großzügigkeit Seelenheil für ihre Vorfahren, Nachkommen und natürlich für sich selbst. Um den sogenannten Mittelmesser an die Stadt und seine neue Aufgabe zu binden, erhielt er eine „Wohnbehausung zu Schrobenhausen“.

Nachdem der Bau und die Weihung vorübergingen, wurde der Kirche auch das benachbarte Heilig-Geist-Spital gestiftet. Aus diesem Grund nennt man die Kirche bis heute noch „Spitalkirche“.

Da die Frauenkirche sehr alt ist, wurden im Laufe der Zeit etliche Umgestaltungen und Umbauten vorgenommen. Im Jahr 1561 wurde der gotische Spitzhelm des Turmes abgetragen, der locker den Turm der Stadtpfarrkirche überragte. Nur zehn Jahre später wurde auch die hölzerne Decke abgerissen und durch eine steinerne ersetzt. Vor allem im Jahr 1713 wurde etliches verändert. Das steinerne Gewölbe wurde zu einer flachen Decke, die geschweiften Fenster brach man aus, der Altar wurde verlegt und an der Stelle des Choraltars entstand die Sakristei.

Der Raum wurde sozusagen einmal komplett gewendet.

Von 1747-1752 dauerten die Arbeiten für das Schnitzen und Aufstellen des Barockaltars. Dieser diente „zu mehrer Zier des Gotteshausen und Verehrung Unserer Lieben Frau“.

Auch die Renovierungen von 1879-1885 zerstörten manche barocke Einrichtungsstücke. So wurde aus den geschweiften Fenster neuromanische Halbrundfenster, das Deckenbild „Kalvarienberg mit Kreuzigung“ ersetzte man durch „Mariä Himmelfahrt“ und zuletzt wurde der Barockaltar abgerissen und billig an einen Antiquitätenhändler in München verkauft.

Trotz all dieser Renovierungen hat die kleine Frauenkirche in der Innenstadt ihren Charme behalten und ist auf jeden Fall einen Besuch wert.  

5. Vorstadtkirche St. Salvator

Die Geschichte der Vorstadtkirche reicht an die neunhundert Jahre zurück. Bereits im 11. Jahrhundert entstand die bescheidene, hölzerne Straßen- und Rastkapelle, die sich inmitten des lärmenden Straßenverkehrs befand. Besonders Wanderer und Pilger rasteten und beteten in dieser Kapelle. Im 15. Jahrhundert wurde aus der Kapelle eine steinerne, gotische Kirche und dank der Unterstützung des Bürgermeisters Johann Götz wurde sie um 1435 nochmals vergrößert. Fortan konnte ein Vorstadtkaplan eingestellt und wirtschaftlich abgesichert werden, da der Bürgermeister die Gemeinde dazu bewog, einige Güter in eine Stiftung einzubringen. Diese Stiftung wurde am 30.10.1437 datiert und am 30.09.147 durch den Bischof Petrus I bestätigt. Dank der Stiftung erhielt der Vorstadtkaplan nicht nur Waren, sondern auch einige Pfennige in bar. Um 1500 erhielt sie als erste aller hiesigen Kirchen eine eigene Turmuhr, die leider sehr oft stehen blieb. Im Jahr 1553 schlossen der Bürgermeister und die Ratsherren einen Vertrag mit dem Uhrenmacher Leonhard Spiegl. Spiegl entfernte das alte Uhrwerk und erneuerte es gründlich. 1660 genehmigte der Stadtpfarrer Johann Jakob von Muggenthal seinem Bruder, dem St. Salvator Benefiziat, weitreichende Baumaßnahmen. Von 1660 bis 1667 wurde das Innere der Kirche restauriert und von 1667 bis 1671 auch noch das Äußere. Damals schuf Meister Legl die schönen eisernen Gitter. Auch die gotischen Türen wurden durch zwei breitere ersetzt. Am 11.05.1667 stimmte das Ordinat  dem Abriss des Satteldachturms zu und der Turm erhält seinen heutigen barocken Aufsatz. 1760 schuf Ignaz Baldauff, ein Hofmaler aus Inchenhofen, das Chorfresko „Christus am Teiche Bethesda“, sowie das Langhausfresko „Die Speisung der Fünftausend“. Im gleichen Jahr schnitzte Anton Johann Wiest den Baldachin-Hochaltar, zu Ehren Christus salvator. Die beiden Seitenaltäre sind Mariä Himmelfahrt und den Vierzehn Nothelfern geweiht. Wiest arbeitete ebenfalls an dem Salvator-Gnadenbild.

Goachatroute

1. Gedichte zum Goachat

Löwenzahn                         

Auf frischem Grünland und auf Wiesen,
sieht man diese Blume sprießen,
später pustet jedes Kind,
das weiße Schirmchen in den Wind.

 

Vergissmeinnicht

Der Blütenkelch ist leicht behaart,
das variiert von Art zu Art,
zu finden ist´s in feuchten Wäldern,
dazu an Gräben und auf Feldern.

 

Kornblume                                                            

Oft in der Nähe von Getreide,
ist sie eine Augenweide,
so hat die Farbe den Effekt,
dass strebsam anfliegt das Insekt.

 

Breitwegerich

Die Blätter sind elliptisch, breit,
verbreitet ist er auch sehr weit.
Fast überall auf Weg und Steg
Findet man einen Beleg.

 

Kohlweißling

Wenn die Flügel sich ausbreiten,
sieht man weiße Oberseiten.
Auffällig: zwei schwarze Flecken,
doch man kann ihn leicht erschrecken.

Marienkäfer

Knallig rote Flügeldecken,
dazu sieben schwarze Flecken,
sie sind Sympathieträger,
bekannt sind sie als Blattlausjäger.

 

Hahnenfuß

Diese Pflanze färbt das Feld
Im allerschönsten Sonnengelb.
Tief eingeschnittne Blütenblätter
Machen ihn noch viel koketter.

 

Tagpfauenauge         

Die Grundfärbung ist rötlich-braun,
Sie sind prächtig anzuschaun.
Was sie auf den Flügeln haben:
blaue, gelbe, rote Farben.

 

Zitronenfalter

An Feldgehölz und Waldesrand
Wird dieses Tier sehr schnell erkannt,
weil diese Farb´ ins Auge sticht
und gelblich strahlt im Sonnenlicht.

2. Das Goachat – Entstehungsgeschichte

Das Goachat hat bereits eine über zwanzig Millionen Jahre alte Geschichte aufzuweisen. Die Paar, die diese reich strukturierte Auenlandschaft durchquert, entsprang während der Eiszeiten im aufgeschütteten Endmoränengürtel des Ammersee-Gletschers und floss ungebändigt mäandrierend durch das tertiäre Hügelland.  Nach dem Ausklingen der Riß- und dem Einsetzen der Würmeiszeit vor einhundertdreißigtausend Jahren erhielt sie immer stärker ihre heutige Form, insbesondere durch die gebietsfordernden Schmelzwässer der Ammersee-Gletscherzunge: Diese verlagerten die Talsohle der Hauptabflussbahn über das Lechtal in nördliche Richtung.Der geschaffene Raum vereinte über das jüngere Eiszeitalter hinweg sowohl den Lech als auch die Paar, Schotter und Sedimente wurden klimaabhängig in mäandrierenden Betten abgelegt und versperrten die unmittelbare Mündung der oberen Paar in den Lech. Die wechselhafte Witterung blies aus den vegetationslosen Böden Feinsand an und lagerte sie nördlich der Paar als Flugsanddünen ab. Daraus entstand der äußerst fruchtbare Lößboden mit tonigen Anteilen, der über die gesamte Gegend verbreitet wurde.Die Goachat-Region wurde immer wieder überschwemmt; bedingt durch den hohen Grundwasserstand und das weniger starke Gefälle bildete die Paar in unregelmäßigen Abständen neue Schlingen, die heute als ihre charakteristische Form bekannt sind. Nach der letzten Eiszeit hatte sich die untere Paar so weit den Randhöhen zum Lechtal angenähert, dass man praktischerweise beide Flusssysteme miteinander verband.  Da die gesamte Flusssphäre nahezu die ganze Zeit über nur kleineren menschlichen Einflüssen unterworfen war, konnte sich hier eine seltene und äußerst schützenswerte Artenvielfalt ansammeln.

3. Von Trauer-, Silber- und Augenweiden

Majestätisch heben sie sich von unterem Gesträuch ab, meist einzeln stehen sie an Gewässerufern, die Zweige streichen sanft über die Wasseroberfläche. Im Grunde strahlen sie Melancholie aus, Tiefe und Weltschmerz, doch sie gehören auch zu den anmutigsten Bäumen. Wenn man durchs Goachat streift und eine Trauerweide kreuzt, so bleibt man andächtig stehen und beobachtet den Wind, der die silbrigen Blattunterseiten aufblitzen lässt.

Es lohnt sich, einen Moment lang innezuhalten, unter der Weide Platz zu nehmen und sich zurückzulehnen, Rücken an Rinde. Die Trauerweide repräsentiert wie kein anderer Baum den Kreislauf des Lebens: Sie erwächst aus dem, vorzugsweise feuchten, Erdreich, strebt in die Höhe, wobei sie bis zu zwanzig Meter erreicht, und neigt sich dann wieder gen Boden. Ihr kolossales Astwerk verlangt nach außen und fließt doch wieder nach unten, hin zu Ursprung und Originalität. Und wenn man also unter der Weide sitzt und die dramatisch dahinstürzenden Zweige betrachtet,  kann man sich der Bedeutung des Baumes noch stärker bewusst werden, indem man sich vor Augen führt, welche große Rolle diese Pflanze in den verschiedensten Kulturen gespielt hat: So ist angeblich Hera, die Gemahlin Zeus´, unter einer Weide geboren worden. In England gab es vor Jahrhunderten den Brauch, dass die Mädchen einen Schuh in die Weide warfen und hofften, dass er sich in den Zweigen verfing. Neun Versuche hatten sie dafür und wenn dies gelang, würden sie im Laufe des nächsten Jahres heiraten. Die Kelten wiederum benutzten die Weidenbäume, um Klangkörper für ihre Harfen zu bauen. Weidenkätzchen sind in vielen Kulturen ein Symbol für Frühling und Neuanfang. Die Silberweide dagegen kann sogar eine Höhe von fünfunddreißig Metern erreichen und ein erfülltes Leben von zweihundert Jahren führen. Die Germanen glaubten, dass in ihrem Inneren mächtige Gottheiten wohnten; Literaten und Lyriker haben sie stets als Inspiration genommen. So schrieb der Schriftsteller Friedrich Hoffmann von den „Weiden am Bach“ und Hans Moser dichtete sinnlich:

„Die Weide blüht! Das Leben lacht
dich tausendfältig an

aus kleiner Blüten Frühlingspracht,
aus Weidenkätzchens Silbertracht
Der Kummer ist vertan.“

Ob nun Trauer- oder Silberweide, für den Naturliebhaber steht Eines fest: Augenweiden sind sie alle.

4. Die Paar – Segen und Herausforderung

Das Goachat verdankt seine eindrucksvolle Artenvielfalt vor allem der Paar, diesem geruhsamen Nebenfluss der Donau. Entsprungen nördlich des Ammersees, setzt er seine Reise durch Mering, Dasing und Aichach fort und kreuzt auch Schrobenhausen. Zahlreiche Tiere und Pflanzen profitieren von der dichten Verkrautung und dem abwechslungsreichen Spiel zwischen Licht und Schatten.  Wer naturwissenschaftlich interessiert ist, kann im Goachat die Fließgeschwindigkeit der Paar messen. Fließgeschwindigkeiten in deutschen Flüssen variieren meist zwischen 0,1 und 6 Metern pro Sekunde. Größere Flusssysteme haben gewohnheitsmäßig eine höhere Fließgeschwindigkeit als kleine Nebenflüsse: Die Donau kann beispielsweise eine Geschwindigkeit von über vier Metern pro Sekunde, also mehr als fünfzehn Kilometern pro Stunde, aufweisen.

Fluss

Fließgeschwindigkeit in m/s

Fließgeschwindigkeit in km/h

Mosel

0,7

2,52

Elbe

0,8

2,88

Weser

0,8

2,88

Donau

zwischen 1,4 und 4,2

zwischen 5,04 und 15,12

Rhein

ca. 2

ca. 7,2

Main

bis zu 2,8

bis zu 10,08

Paar

?

?

Gleichzeitig stellt die Paar aber auch ein fortwährendes Hochwasserrisiko für Schrobenhausen dar. In der Vergangenheit kam es bei Überflutungen durch Paar und Weilach immer wieder zu kostspieligen Schäden. Zuletzt war Schrobenhausen vor allem im Mai und Juni 2013 von derartigen Regenfällen und Überschwemmungen betroffen.

Seit 2007 feilt das Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt daher an einem effektiven Hochwasserschutzkonzept. Geplant ist unter anderem, Deichlinien zu ziehen und Geländeaufschüttungen sowie Schutzmauern zu errichten. Ein besonderes Augenmerk muss dabei auf die Papierfabrik LEIPA gelegt werden, in diesem Gebiet sind verstärkt Schutzvorrichtungen geplant.

Aufgrund von Einwendungen im Planfeststellungsverfahren wurde der Vorschlag einer Bürgerinitiative, nämlich Retentionsraum für einfache Querverbauung im Goachat zu schaffen, auf seine technische und wirtschaftliche Machbarkeit geprüft. Es stellte sich heraus, dass beim Bau von Rückhaltebecken der benötigten Größe allerdings mit erheblichen Eingriffen in das naturschutzfachlich sensible Gebiet des Goachat zu rechnen wäre.

Das wichtige Projekt steckt noch in den Kinderschuhen. Aktuell gibt es ein Planfeststellungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung, die Tektur ist bereits im Dezember 2013 beim Landratsamt Neuburg an der Donau eingereicht worden. Wenn die erforderlichen Maßnahmen im angepeilten Rahmen bleiben, belaufen sich die Kosten letztendlich auf circa zehn Millionen Euro. Dieses Geld wäre sicherlich nicht verschwendet, wenn damit die Unversehrtheit der Bürger gesichert und gleichzeitig der Schutz der Tier- und Pflanzenwelt im Goachat bewahrt wird.

5. Das Goachat - Lebensraum und Zufluchtsort für unzählige Insekten

Landkärtchenfalter

Vor allem Schmetterlinge haben im Goachat günstige Lebensbedingungen angetroffen: Der Landkärtchenfalter, jene Art mit den braunen bis blauschwarzen Flügeldecken und der vielseitigen Musterung, bevorzugt Flach- oder Hügelland und hält sich gerne in Gesellschaft von Brennnesseln auf, die er in lichten Wäldern oder an Waldrändern findet.

Großes Ochsenauge

Ähnlich geht es dem Großen Ochsenauge, das durch sein auffälliges „Auge“ auf der orange-bräunlichen Flügeldecke unverkennbar ist: Man findet es häufig an trockenen bis leicht feuchten Waldrändern oder nahe von Mooren. Das Große Ochsenauge ist weit verbreitet, es kommt in ganz Europa und Nordafrika, aber auch in Kleinasien und sogar im westlichen Sibirien vor.

 

Brauner Waldvogel

Leicht zu verwechseln ist es allerdings mit dem Braunen Waldvogel, der ähnliche „Augen“ auf den Flügeloberseiten aufweist. Die braunen Falter favorisieren Brombeerblüten oder Disteln, Hauptsache, es ist ein Ort, an dem es sich gut Sonne tanken lässt. Im Goachat findet man sie vor allem im hohen Gras, hauptsächlich Männchen, die in ununterbrochenem Flatterflug nach Weibchen Ausschau halten.

 

Admiral

Zu den bekanntesten Schmetterlingen zählt der Admiral: Sogar Kinder erkennen ihn recht schnell an den schwarzen Flügelspitzen mit den weißen Klecksen und den dunkelbraunen Hinterflügeln, die eine auffällige orange-rote Binde am äußeren Rand tragen. Aufstöbern kann man sie nicht nur in den lichtdurchfluteten Wäldern des Goachat, sondern oftmals auch im heimischen Garten.

Gebänderte Prachtlibelle

Wo Wasser ist, sind natürlich Libellen nicht weit. Die Gebänderte Prachtlibelle beispielweise liebt die träge dahinfließende Paar, die ausreichend verkrautet und von der Sonne beschienen ist. Die Männchen werden oft für ihren schillernden, dunkelblau gefärbten Körper bewundert, die Weibchen sind oft metallisch grün oder auch bronzefarben. Mit seinen vielen Flussauen und Gräben bietet das Goachat einen idealen Lebensraum für dieses empfindliche Insekt.

Grüne Flussjungfer

Deutlich kräftiger gebaut ist aber die Grüne Flussjungfer, die beschattete Bäche mit sandigem Untergrund schätzt. Unverkennbar ist ihre lindgrüne Färbung und die schwarz-gelbe Zeichnung auf dem Hinterleib. Die Grüne Flussjungfer gilt als zäh, einige abenteuerlustige Individuen wurden sogar bereits in den Alpen bei 1300 Metern Höhe gefunden.

Wespenspinne

Auch eine ästhetisch anmutende Spinnenart hat das Goachat zu bieten: Die schwarz-gelb gestreifte Wespenspinne ist häufig auf feuchten Wiesen anzutreffen und hat in den letzten Jahren ihr Areal stark erweitert. Noch vor fünfzig Jahren war ihr Auftreten in Mitteleuropa sehr selten, doch heute baut sie ihre zickzackförmigen Netze auch in unserer Gegend. Für den Bau eines ihrer weißen Geflechte benötigt sie gerade einmal vierzig Minuten und fängt darin unter anderem Fliegen, Schmetterlinge und Heupferde.

Obwohl viele Schmetterlinge und Spinnentiere noch nicht auf der „Roten Liste“ der aussterbenden Arten stehen, wird ihnen dennoch oft der Lebensraum streitig gemacht oder sogar gänzlich genommen. Deshalb ist es wichtig, dass ruhige, abgeschiedene Zufluchtsorte wie das Goachat weiterhin bestehen, um das Weiterleben dieser empfindsamen Geschöpfe auch in Zukunft zu garantieren.

6. Bäume und ihre Bedeutung

Buche: Baum der Intuition

steht für: Klarheit, Festigkeit, Geborgenheit

Fähigkeit: kann angeblich die Zukunft vorhersagen und fungiert als Seelentröster

Verwendung: Speiseöl aus Bucheckern; Rinden und Zweige zur Linderung von Atemwegsbeschwerden verwendet

Eiche: Baum der Stärke

steht für: Heiligkeit, Ehrlichkeit, Treue, Kontinuität, Männlichkeit

Fähigkeit: Gerichtsbaum, hohe Symbolhaftigkeit, Prägung von Eichenblättern auf Münzen

Verwendung: junge Rinde wirkt entzündungshemmend

Ahorn: Baum der Freiheit

steht für: Heiligkeit, Heiterkeit, Freiheitsliebe, Idealismus, Vielseitigkeit, Willensstärke, harmonische Gegensatzvereinigung

Fähigkeit: fördert Selbstfindung und Kommunikation

Verwendung: Sirup aus dem Stamm des Zuckerahorns; Rindenumschläge gegen Fieber und Entzündungen

Birke: Baum des Lichts

steht für: Neubeginn, Jugend, Freude, Wachstum, Liebe, Weiblichkeit

Fähigkeit: Vermittler zwischen Himmel, Erde und Unterwelt, versprüht frühlingshafte Energien

Verwendung: Birkenblätter-Tee hat eine reinigende Wirkung und verbessert das Hautbild

Esche: Baum der Energie

steht für: Flexibilität und Ausdauer

Fähigkeit: verspricht Glück

Verwendung: Blumeneschensirup wird bei Husten verwendet und zur Schleimlösung

Ulme: Baum des Erwachens

steht für: Sensibilität, Mitgefühl, Träume

Fähigkeit: lockt Feen an, unter ihrem Schatten wird Recht gesprochen und das Wort Gottes verkündet

Verwendung: Heilmittel (Tiermedizin); Behandlung von Wunden/Durchfallerkrankungen, Blüten in Stresssituationen verwendet

Silberweide: Baum der Vitalität

steht für: Fruchtbarkeit, Wiedergeburt, Erneuerung, Kunst und Ästhetik

Fähigkeit: symbolisiert den Lebensfluss

Verwendung: Weidenrinnentee als traditionelles Heilmittel gegen Rheuma und Fieber

Haselnussbaum: Baum der Wahrheit

steht für: Erotik, Fruchtbarkeit; für die Römer ein Friedenssymbol

Fähigkeit: Glücksbringer; begünstigt die Erfüllung von Wünschen

Verwendung: in Palmbuschen, nährstoffreiche Haselnusskerne; Tee aus Blütenkätzchen gegen Fieber, entzündungshemmende Blätter

 

 

Richtung Hagenauer Forst

1. Das Kreiskrankenhaus

Vorgänger des Kreiskrankenhauses war das 1845 eröffnete Krankenhaus in der heutigen Rot-Kreuz-Straße. Die Krankenpflege führten seit 1863 die Schwestern des Ordens der Armen Franziskanerinnen durch. Aufgrund der Verschlechterung des Bauzustandes und aufstauender Feuchtigkeit wurde 1931-1932 ein neues, damals hochmodernes Krankenhaus an der Stelle errichtet, an der auch das Heutige zu finden ist. Das Geld hierfür stammte aus dem Donaumoos-Straßenprozess, den Sigmund Freiherr gegen den bayrischen Staat führte und der für ihn günstig ausging. Der medizinische Fortschritt und die rapide wachsende Bevölkerung sorgten für den Bau eines Infektionspavillons 1953 und eines weiteren Flügels 1956, aber selbst 118 Planbetten waren nicht genug, um die Menge an Patienten aufzunehmen.

In den vergangenen 50 Jahren hat sich das Aussehen des Gebäudes grundlegend verändert. Ein Funktions- und Behandlungstrakt wurde 1974 errichtet, nachdem der Landkreis Schrobenhausen einen Bauwettbewerb zur Neugestaltung des Krankenhauses ausrichtete. Diesen gewann das Augsburger Architekturbüro und wurde mit dem Bau des Funktonstraktes beauftragt. Auch ein Bettentrakt mit 36 Zweibettzimmern und die Intensivabteilung wurden dem Krankenhaus hinzugefügt, sowie ein vierter Operationssaal vier Jahre später. Die Dialyseabteilung entstand auch 1994, als man einem aresinger Patienten den langen Weg nach Augsburg ersparen wollte. 1995 bis 1998 wurden sämtliche Pflegebereiche saniert und modernisiert und das Verwaltungsgebäude 2000 rundete das Gesamtwerk schließlich ab. Die Schwestern der Armen Franziskanerinnen wurden 1995 nach Mallersdorf abberufen und somit endeten die 132 Jahre Ordenspflege, aber auch die nicht-geistlichen Mitarbeiter unterstützen und sorgen tagtäglich für unsere Gesundheit und retten vielen Leuten mit stolzen 1700 Operationen pro Jahr das Leben.

2. Der Kalvarienberg – Der steinige Weg zur Kapelle

Heute ist es eine friedliche Kapelle in Mitten eines kleinen Waldstreifens am Ende eines Kreuzweges, doch so war es nicht immer. Einst war hier nur ein kahler Hügel mit Blick auf das damalige Schrobenhausen. 1844 jedoch kam dem damaligen Stadtkaplan Michael Fick die Idee, eine Kapelle auf dem Berg zu errichten, doch wusste er nicht, was für einen Streit mit der Obrigkeit er mit diesem Unterfangen auslöste. Das Landgericht Schrobenhausen verbot ihm die Durchführung seines Projektes. Doch er ließ sich nicht unterkriegen. Ein einziges Schreiben und die Hilfe des respektablen Mitstreiters Joseph Khan ermöglichten es, auf dem Berg drei Kreuze aufzustellen. Dieses Gesamtbild war von da an bekannt als Kalvarienberg. Die Formalitäten waren also geklärt und der Bau konnte beginnen. Hier zeigte sich erst die starke Gemeinschaft Schrobenhausens. Das gesamte Projekt wurde durch das Bereitstellen von Facharbeiten und privaten Geldgebern finanziert, jeder, der etwas beitragen konnte, bot seine Hilfe an: der Bau der Kreuze, die Bilder auf den Stationen und die Bepflanzung. 1846 wurde der Kalvarienberg schließlich durch den Stadtpfarrer Dr. Joseph Ignaz Guggemoos eingeweiht.

Der Zahn der Zeit ließ aber auch den Berg nicht in Frieden. Zahlreiche Reparaturen waren nötig, um Mutter Natur zu trotzen. Der 1899 gegründete Verschönerungsverein zusammen mit Georg Leinfelder brachten Leben auf den Berg, das Anlegen von Bäumen und Pflanzen verwandelte den Berg somit, trotz einiger Rückschläge, in ein kleines Waldstück. Nach der Verlegung der Stationen in den Wald blieb nur noch das Problem der ständig restaurierungsbedürftigen Bilder. Der gelernte Graveur Hugo Schilling bot sich an, die Abbildungen in glasiertem Ton zu verewigen. Dabei ließ er es allerdings nicht aus, sich auf der letzten Station mit einer Inschrift zu verewigen. 

Fast 100 Jahre nach Michael Ficks Idee entstand nun der Wunsch den Kalvarienberg mit einer Kapelle zu vervollständigen. Schließlich, durch das Einreichen des Bauplans von Michael Kurz, konnte sich der Traum seines Namensvetters endlich erfüllen. Am 19. September 1937 war es soweit und Stadtpfarrer Christian Prestele weihte die Kapelle ein. 2008 war bereits wieder eine Restauration des Kalvarienbergs nötig, derer sich die Kolpingfamilie Schrobenhausen annahm. Ihre Arbeit und eine wesentlich detailreichere Geschichte des Ortes finden sich in Sabine Beck & Steffi Laquais Buch Der Kalvarienberg. Zudem sind die einzelnen Stationen des Kreuzweges darin genauer beschrieben, damit eignet es sich als ideales Begleitmaterial auf dem Weg.

3. Der Hagenauer Forst

Der Hagenauer Forst ist ein großes, geschlossenes Waldgebiet, dass sich bis zu den Ortsteilen Hörzhausen, Langenmoosen, Gollingkreut, Sandizell und Winkelhausen erstreckt. An frühere Zeiten erinnern noch die sogenannten Flurnamen, die den Wald in kleinere Abteilungen unterteilen. Hagenau rührt von den Begriffen Hag (Wald) und Aue. Früher war der Forst fast doppelt so groß wie heute und war ein künstlich angelegter Mischwald. Die Abteilung „Römerhügel" enthält sogar noch heute Überreste von alten Keltengräbern, die noch vor Christi Geburt entstanden sind. Bevor die Forstverwaltung aufgrund des Schwedenkriegs nach Schrobenhausen verlegt wurde, war die Zentrale der Hagenau-Verwaltung der Sedelhof in Hörzhausen. In diesem ansehnlichen Jagdschloss wohnte auch schon der erste aus einer langen Reihe von "Vorstern ob der Hagenau" Ritter Ulrich der Perger. Der Forst erlebte zudem viel Krieg mit in der Form des größten Waldbrandes, den die Truppen des spanischen Eroberungskrieges 1704 auslösten.

4. Das SSV-Heim

Das SSV-Heim, wunderschön gelegen in Mitten des östlichen Hagenauer Forsts, ist das Vereinsheim des Spiel- und Sportvereins Schrobenhausen. Bereits zehn Jahre nach der Vereinsgründung, im Dezember 1965, gab es erste Pläne, der Pachtvertrag für das Gelände in der Högenau folgte kurz darauf. Am 5.9.1966 begann der Bau des Heims und schon am 22.6.1968 konnte es eingeweiht werden, seitdem wurde es stetig erweitert. Von 1970 bis 2005 wurden Stück für Stück die Freizeitmöglichkeiten erweitert, von der Minigolfanlage bis hin zum Beachvolleyball- und Handballplatz. 2004 entsteht sogar eine Erweiterung des Gebäudes. Besonders konnten sich die Kinder freuen, als 2009 die Ferienbetreuung Schwalbennest hier willkommen geheißen wurden und 2013 sogar das Dachgeschoss für sie ausgebaut wurde. Ebenfalls seit 2013 befindet sich der Bauwagen des Waldkindergartens Würzelzwerge auf dem Gelände, die sich direkt am Waldrand mit einer riesigen Spielfläche vergnügen können. Der wohl bitterste Tag war 2014, als ein Feuer in der Küche des Heims ausbricht. Die Fritteuse fing Feuer, doch Gott sei Dank kamen keine Menschen zu Schaden. Heute bietet das SSV-Heim Sport- und Freizeitvergnügen für alle Altersgruppen, einschließlich Kinderspielplatz und Biergarten. Wer hier auch gerne mal einen Tag verbringen möchte, kann sich auf der Website des Heims nach Öffnungszeiten oder Terminvereinbarungen für größere Reisegruppen erkundigen.

Franziska-Umfahrer-Strasse 10
86529 Schrobenhausen

Öffnungszeiten:
Freitag ab 16:00 Uhr
Samstag ab 14:00 Uhr
Sonn- und Feiertag ab 11:00 Uhr

und nach Vereinbarung

http://www.ssv-schrobenhausen.de/

5. Der Waldfriedhof

Der Neueste der insgesamt fünf Friedhöfe in Schrobenhausen, gelegen an der Neuburger Straße, zeichnet sich aus durch seinen Charakter als Natur- und Erholungsraum. Der Name „Waldfriedhof“ kommt nicht von irgendwo, hier findet sich eine große Bandbreite an Vegetation wieder, viele alte, aber auch neue Bäume sowie unzählige Tiere, die hier ihren Wohnsitz haben. Der Friedhof entstand in den 50er Jahren, nachdem sowohl die Kirche, als auch der Alte Friedhof nicht mehr genug Platz boten, um die schiere Anzahl an Toten zu beherbergen, die gerade wegen dem rasanten Bevölkerungswachstum durch die Heimatvertriebenen aufgetreten sind. Die Einweihung des 3,5 ha großen Friedhofs erfolgte 1953 und mit rund 3000 Gräbern bietet er unzählige Möglichkeiten nach seinem Wunsch begraben zu werden.  Eine davon ist die Urnenbaumbestattung. Die Idee, Uren am Fuße von Bäumen beizusetzen, erlangte große Beliebtheit bei der Stadt und somit wurden 2011, ganz im Stile der FriedWälder. die 70 Baumgräber eingeweiht. Diese Anzahl war aber schnell nicht mehr genug. Die naturbezogenen Gräber waren beliebt, immerhin ließen sich 80% der Leute in Urnen beerdigen, 20% davon an den Bäumen. Zudem bieten sie auch viele Vorteile, sie nehmen wenig Platz ein, sie hinterlassen keine Rückstände, nicht einmal die Urnen, gemacht aus einem kompostierbaren Stoff, bleiben zurück. Gerade Menschen, die keine Verwandtschaft mehr besaßen, sahen darin eine gute Methode zur letzten Ruhe.

Die Baumgräber brachten dem Friedhof viel Aufmerksamkeit. In einem bayernweiten Wettbewerb verlieh die Staatsministerin für Umwelt und Verbraucherschutz Ulrike Scharf dem Friedhof eine Auszeichnung für den naturbelassensten Friedhof. Auf der Urkunde, die der Bürgermeister Karl-Heinz Stefan am 26.9.2015 entgegen nahm, wurde der Friedhof gelobt: „Die vorbildlichen Leistungen bei Gestaltung, Pflege und Erhalt eines würdevollen Friedhofs verdienen Dank und Anerkennung“ Und was denken die Schrobenhausener darüber? Die sind begeistert, immer mehr Leute besuchen den Waldfriedhof, um die Natur zu genießen und sich die Gräber anzuschauen. Und so können wir heute Ruhe und Frieden auf den Bänken des Waldfriedhofs genießen und den Vögeln und Eichhörnchen bei ihrem Spiel beiwohnen.